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3D (nach DFBV) - Setup für Systemschützen


Offline Absinth

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  • Einer trage des anderen Last...
...
3D beim DFBV hat leider nur unbekannte Distanzen und bei den Schätzmethoden bin ich nicht wirklich gut - und die „Rechenmethoden“ verlangen im Endeffekt, dass man die Maße der Tiere lernt, dazu bin ich definitiv zu faul.
...
Wenn man sich derzeit die üblichen Verdächtigen bei Meisterschaften ansieht oder die Contentproduzenten, dann ist mehr Tempo gut, noch mehr Tempo besser…
...

Bitte täusche dich nicht, womöglich können die üblichen Verdächtigen oder die Contentproduzenten mit ihrem hohen Tempo (und noch mehr Tempo...) zusätzlich wirklich gut schätzen und auch noch sehr gut rechnen wozu du, wie du von dir schreibst, zu faul bist.

In dem Fall jedenfalls wird dir auch ein noch, noch schnelleres Setup nicht helfen und du schießt denen dann immer noch hinterher... :bow:


Wie war das noch mal... Ohne Fleiß einen Preis? Nein, ohne Fleiß keinen Preis... :)



Offline Landbub

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Eine interessante Diskussion. Aber warum wird hier von "entweder / oder" gesprochen, wenn es um Speed und Schätzgenauigkeit geht? Das Eine schließt das Andere nicht aus. Das ergänzt sich doch. Selbst bei Feldbogen, wo man dank Strahlensatz und viel Übung wirklich recht genau "schätzen" kann, bleibt auch bei guten Leuten ein Fehler von 3 bis 5%, weil man seine "Schätzhilfe" wie den Button nicht ruhig genug ins Zielbild halten kann.
Wenn also die unbekannte 80er nicht auf den geschätzten 43m sondern doch auf den max. 45m steht, machen plusminus 15 fps einen zählbaren Unterschied.

Warum machts dann nicht jeder? Weil ein leichtes Setup auch Nachteile hat. Unstrittig ist die reduzierte Toleranz bei Lösefehlern, was aber sehr individuell ist.
Ein anderes ist das von Jürgen vorgebrachte Argument, der in seiner langen Karriere halt schon gefährliche Schäden gesehen hat, wie im Bogen gebrochene Pfeile oder gebrochene Wurfarme, was definitiv zu Verletzungen führen kann (auch beim Nachbarn am Pflock) und durch leichte Pfeile verursacht oder zumindest "gefördert" werden kann. Dran denken. Der Limes des Leichtbaus ist der Leerschuss.

Allerdings sind die von Jürgen genannten "weniger als 4 GPP" schon wirklich extrem. Rechne mal: 28" langer Schaft mit 3,9 GPI = 110gn + 50gn Spitze + 15gn hinten = 175gn fürn Pfeil, also müsste der Bogen 44# haben und damit schießt man aber keinen 700er Spine mehr und steifere sind schwerer. Es ist mit dem Recurve gar nicht so einfach, an 5 GPP zu kommen, geschweige denn drunter. Sprich: wer sowas hinbekommt, mit 30gn Aluspitzen oder sowas, der weiss (hoffentlich), was er weit ausserhalb der Spinechart-Empfehlung tut und hat seinen Bogen dafür abgestimmt. Ich würds nicht tun, nachdem ich mal die Folgen eines im Bogen gebrochenen Pfeils bei jemanden verarztet hab. Der Pfeil war nicht leicht, vermutlich beschädigt, aber wenn die Bruchkante des Carbon-Rohrs eine Furche über den Handrücken bei Zeige- und Mittelfinger gräbt, wird die Hand des Schützen rot und das Gesicht weiss.

6 bis 6,5 GPP sind gut machbar und - da hab ich mit jemanden von Uukha gesprochen - überhaupt kein Problem für die Technik. Nimmt man dann noch eine Spectra Sehne statt einer Mercury, knallt da nix und kostet max 2 fps.

Apropos Technik: Niemand sollte sich wundern, dass bei Barebow und auch bei TradBow jeder Technik-Strohalm ergriffen wird. Das hat nix damit zu tun, dass man nicht trainieren will, sondern, wie ich es oben geschrieben hab, es auch Vorteile für geübte Schützen bringt. Warum kaufen sich viele in der Compound / FU Klasse seit jeher spätestens alle 2 Jahre das neue Flagship Modell? Sicher nicht nur wegen dem Capi in der Tüte. Oder wegen "jetzt bekomme ich den alten noch für gutes Geld verkauft".  Er "könnte" ja doch besser sein als der alte und der Dings und der Bums kaufen den ja auch. Warum sollte das bei anderen Bogenklassen anders sein? Sportordnungen werden bis zum erBRECHEN (i.w.S.d.W.) ausgenutzt.
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Online Gartenpinguin

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Apropos Technik: Niemand sollte sich wundern, dass bei Barebow und auch bei TradBow jeder Technik-Strohalm ergriffen wird. Das hat nix damit zu tun, dass man nicht trainieren will, sondern, wie ich es oben geschrieben hab, es auch Vorteile für geübte Schützen bringt.

Das ist ein wichtiger Punkt, weil ich das von früher anders in Erinnerung habe.
Das 3D Schießen war früher die Heimat für traditionelle Schützen. Irgendwann kamen vermehrt Systemschützen dazu und mittlerweile sind es deutlich mehr Systemschützen als klassische Tradis. Wer heute noch Tradi ist, hat gewissermaßen auf den 3D-Turnieren seine "Heimat" verloren. Denn diese Turniere waren Events von uns für uns. Man muss nur in die Tabellen schauen und einen Blick auf die Anzahl der Schützen in den jeweiligen Bogenklassen werfen.

Gewiss gab es damals auch unter den Tradis die Spezialisten, die nach jeder Lücke im Regelwerk geschaut haben, aber das waren noch recht wenige. Man muss nur mal auf YouTube und Co schauen, was für Tipps und Tricks vermittelt werden und wie viele es davon gibt. Als Tradi habe ich vermehrt das Gefühl in einer sterbenden Niesche des Bogenschießens zu sein. 3D Turniere mache ich mittlerweile nur noch mit, wenn es wirklich traditionell ist. Holzpfeilpflicht, reiner Primitivbogen, Spaßziele. Da fühle ich mich noch unter Meinesgleichen wo dieser Technikwahnsinn und der Griff nach jedem Strohhalm noch nicht so extrem ist.

Vorteile hin oder her.

Wir haben (leider) eine sehr starke Bewegung aus dem System- oder besser Scheibenschießen hin zum 3D, was man mittlerweile auch in den Regelwerken bemerkt.
Anekdote dazu: Ein Kollege hat die Kreismeisterschaft im Blankbogen gewonnen (525 Ringe) und darf nicht zur Regionalmeisterschaft, weil die Punkte dennoch nicht ausreichen. Die Bogenschießtechnik konvergiert zu einem optimierten Einheitssystem, speziell zugeschnitten auf Turniere, Dachverbände und Regelwerke. Ich habe Angst, dass das Herz und die Seele, insbesondere des traditionellen Ursprungs, verloren gehen.
Vielleicht sehe ich das auch zu hart, weil ich das Gefühl habe, meine Heimat im 3D Schießen zu verlieren - und lasse meinen Frust hier raus.


Offline kungsörn

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Gartenpinguin, ich hätte es nicht besser formulieren können.
Du Sprichst sicher nicht nur mir aus der Seele.

Vieles könnte man an den 3D Turnieren besser machen, um Visier- und Materialtechniken Grenzen zu setzen.
Will man wohl nicht.
Der Trend ist, innerhalb kürzester Zeit möglichst viele der -gefühlt- 200 Deutschen Meistertitel im Bogenschießen einzuheimsen.
Und da der Oly-Bereich schon erschöpfend und professionell abgedeckt ist, geht man halt in den Wald. Da gibt's noch Potential.
OK, Feldbogen ist auch schon eng umkämpft. Naja, dann halt 3D.... :(
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Offline Waldgeist

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  • Nordlicht
" Das 3D Schießen war früher die Heimat für traditionelle Schützen. "
Und wer sagt Dir, dass es heute nicht mehr so sondern anders ist? Die vermutlich zutreffende Sache, dass sich inzwischen mehr BS auf den verbandlichen Turnieren und Meisterschaften einschreiben, ist nach meiner Warnehmung kein Indiz für einen Wandel. Meine Vermutung - gestüzt auf meine vor Jahren noch bestehende Zugehörigkeit zum NSSV und den Mangel an Bereitschaft und Willen zur Einführung und damit Anerkennung von 3 D als eigenständige Disziplin - ist die, dass im Zuge der Einführung einer 3 D - LM sich tatsächlich mehr Systemschützen Interesse an Titeln und Meisterschaften erkennen lassen. Dazu passt dann auch die Aussage von Landbub bezüglich der Schützen, die sich um Auslegungen und Lücken in den Wettbewerbsordnungen interessieren.
Als (inzwischen) ausschließlicher Parcoursgänger scheint mir der Kreis an trad. BS unverändert.
„Jeder Mensch kann irren, nur Dummköpfe verharren im Irrtum!“
Cicero


Offline rso

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  • Heimat. Freiheit. Bogenschießen.
..
Das 3D Schießen war früher die Heimat für traditionelle Schützen. Irgendwann kamen vermehrt Systemschützen dazu und mittlerweile sind es deutlich mehr Systemschützen als klassische Tradis. Wer heute noch Tradi ist, hat gewissermaßen auf den 3D-Turnieren seine "Heimat" verloren. ..

..3D Turniere mache ich mittlerweile nur noch mit, wenn es wirklich traditionell ist. Holzpfeilpflicht, reiner Primitivbogen, Spaßziele. Da fühle ich mich noch unter Meinesgleichen wo dieser Technikwahnsinn und der Griff nach jedem Strohhalm noch nicht so extrem ist.

..

.. Ich habe Angst, dass das Herz und die Seele, insbesondere des traditionellen Ursprungs, verloren gehen.
..

Sehe ich alles ganz anders.

Auf Spaßturnieren gehts normalerweise (leider) recht regelbefreit zu und das sind ja auch die Turniere, wo üblicherweise sogenannte Tradis unter sich sind. Ist nicht böse gemeint, aber ich habe noch keines dieser Turniere erlebt, wo vorher klipp und klar war, nach welchem Regelwerk man schießt, von Bogenkontrollen ganz zu schweigen.
Alles kein Problem, geht ja um nix.

Auf Nicht-Spaßturnieren (gemeinhin Meisterschaften der versch. Verbände) kann man erwarten, dass Regelkunde vorhanden ist. Die Anpassungen in den letzten Jahren nehme ich als marginal wahr (zumindest auf DSB und DFBV bezogen) und üblicherweise sind die Klassen TB bzw. TRB (gerade in den höheren Altersklassen) die mit Abstand am stärksten besetzten Klassen.
Vom DBSV habe ich keine Ahnung und im TBVD sind ja sowieso nur mehr oder weniger traditionelle Bogenarten inkludiert.

Und wenn jetzt jemand hergeht und versucht, sich wissenschaftlich über Minimal-Pfeilgewichte an bessere Platzierungen heranzuarbeiten, dann ist das legitim... solange das Regelwerk es nicht verbietet.
Ein Anderer versucht es vielleicht mit nem sauteuren Bogen, der Nächste mit ner Spezialsehne  ;) und ein anderer mit Spikes an den Füßen.

Das muß nicht meine Welt sein aber ist mir tausendmal lieber als irgendein Laberkopf, der mir in der Gruppe permanent damit auf den Geist geht indem er erzählt, dass er der Ober-Instinktling sei und seine Art des Bogenschiessens die allein seligmachende.

Das ist jetzt natürlich alles wieder etwas OT, hat mit Pfeilgeschwindigkeit recht wenig zu tun, aber als Tipp in die Richtung: Üben, Schätzen, 3D-Praxis..und nicht alles gar zu eng sehen (fällt mir pers. aber auch nicht immer leicht)  ;)
cu

Rainer


Offline kungsörn

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Spassturniere sind in keinster Weise "Regelbefreit".
Dort, wo bis vor wenigen Jahren überwiegend "Lederköpfe" unterwegs waren, benötigte man keine daumendicken juristischen Abhandlungen.
Da war es völlig Wurst, wie Lang die Mittenwicklung ist, wie hoch die seitliche Pfeilanlage übersteht oder welche Farbe die Hose hat.
Es kam auch keiner auf die Idee, sein gutes Stück durch Abgreifen oder mit 5 gpp zu misshandeln.

Beim ersten Schuss aus dem flachen Unterstand auf eine 4 m entfernte Ratte, hätte der Stringwalker mit seinem 70" Oly-Bogen und Superduperpfeilauflage im besten Fall einen "Nuller" fabriziert.
Und an den beweglichen Zielen zeigt sich i.d.R, wer mit seinem Bogen umgehen kann.
Es brauchte auch keine Zeitvorgaben, weil es einfach unsportlich ist, seine Nachfolger unnötig warten zu lassen. Es gab einfach keine Notwendigkeit für solch eine Regel.
Zeit wurde erst ein Thema, als die Offene Klassen (Rec+Visier oder CP) ganze Gruppen stellten und Ewigkeiten damit verbrachten, ihre Visiere einzustellen.

Was einige heute als "3D" verstehen und vermarkten, ist nichts anderes als Barebow im Wald und auf ungeeignete Ziele.
Wäre "3D" mit seinen jagdlichen Zielen und entsprechendem Umfeld auch so aufgebaut, bräuchte es auch bei Meisterschaften nur wenige klare Regeln.

Wenn die Viecher allesamt 35m+ gestellt und die Abschusspflöcke barrierefrei sind, muss man sich nicht wundern,
dass es Diskussionen gibt, ob der Nullpunkt besser bei 40m oder 45m liegt.
Und während die pfeilspitzenvisierenden Entfernungsschätzer mit 40m Nullpunkt auf diese Entfernungen kaum daneben schießen können,
sind diejenigen, die das für sich entwickelt haben - traditionelle Jagdbogenbenutzer - quasi Chancenlos.

Das gibt's alles erst, seit sich die olympisch geprägten Fita-Verbände im 3D breit machen. Wohl nicht zuletzt, um ihren Mitgliederschwund zu reduzieren.
Die schütten dann ihre "Rasenregeln" tonnenweise und unreflektiert in den Wald und wundern sich dann noch über den Frust derjenigen, die sie mit offenen Armen empfangen haben.
Nee Leute, dass ist kein Fortschritt im Sinne einer positiven Entwicklung. Jedenfalls nicht für den traditionellen Hobbyschützen.

Seit mehr als 20 Jahren schieße ich mit Freude Bogen und werde jedes Jahr ein bisschen besser, obwohl meine Augen und die Muskeln nachlassen.
Überlegt mal, wie sowas geht?! ;)
Ich meide übrigens Turniere, bei denen der Anspruch an Können ausschließlich durch Entfernung definiert werden.
Und auch solche, die mir vorschreiben, wie ich mich zu kleiden habe. Da sind die "Offiziellen" ganz fett dabei.
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Offline Landbub

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... ich das von früher anders in Erinnerung habe.
Das 3D Schießen war früher die Heimat für traditionelle Schützen. Irgendwann kamen vermehrt Systemschützen dazu und mittlerweile sind es deutlich mehr Systemschützen als klassische Tradis. Wer heute noch Tradi ist, hat gewissermaßen auf den 3D-Turnieren seine "Heimat" verloren. Denn diese Turniere waren Events von uns für uns.


Dein Eindruck ist m.E. falsch. Es kamen Turniere / Meisterschaften dazu. Aber die Vereinsturniere, die gar nicht groß angekündigt werden, weil beim Zielpublikum eh bekannt und ein festes Periodikum im Kalender, die gibts in allen Ausprägungen wie früher und auch so viele. Von Wikinger-Gruppen, wo die Gewandung der Schützen erwartet wird (ja kungsörn, es gibt auch in diese Richtung eine Kleiderordnung) bis hin zu den typischen Jagdturnieren mit beweglichen Zielen und Behinderungen am Pflock. Manche nur für Holzbögen, manche offen für andere.  Beim letzten derartigen Turnier konnte ich mit meinem 72" Bogen problemlos mitschießen bis auf den einen Schuss, den man aus einem Tarnzelt heraus machen musste. Weder quer noch hoch ging, aber das Problem hatten auch manche Langbogenschützen. Und ganz ehrlich: ob ein Baum nahe der Schussbahn steht oder man durch eine Astgabel / hohlen Baum schießt, ist völlig egal, sowas irritiert überhaupt nicht, wenn man den Fokus auf dem Ziel hat. Die sog. "Autobahnen" mit guter Standmöglichkeit sind einzig der Sicherheit geschuldet.

Was mir aber ganz massiv auffällt - als "Funktionär" schaut man auf sowas und man bekommts auch bestätigt: Der Nachwuchs ist im Tradi-Bereich mager. Auf der 3D Bezirk habe ich mehr Compound Schüler und 3x mehr BB Jugend als in der Trad-Klasse, obwohl die 3/4 aller Mitglieder in einem reinen 3D Verein organisiert sind. Und das siehst auch auf oben genannten Tradi-Turnieren, wo vielleicht der 8jährige Enkel mit dem Opa mitläuft. Da hast auf Verbands-Meisterschaften wesentlich mehr Sub-18 Leute in den anderen Klassen.

Zurück zum Material, darum geht der Thread:
Es geht um Präzision. Oder es sollte darum gehen. Oft sehe ich, dass sich Schützen freuen wie auf den Halsgrad mit Kartoffelsalat am Vereinsheim, wenn sie bei der Gams mittlerer Entfernung den Ar... - das hinteren Viertel treffen. "Ah! jawolllll. Ist drauf". Ja - aber wo denn bitte -du hast dem Vieh grade einen künstlichen Darmausgang geschossen. Und im Smalltalk auf der Wanderung zum nächsten Ziel wird das "jagdliche Bogenschießen" als das einzig Wahre herausgestellt und nein, Feldbogen mag man nicht, da fehlt ja auch das jagdlich-traditionelle. Aha.

Und die anderen, die mit ihren Falkenhölzern und anderen modernen "Holz"bögen mit Glas-/Carbonschichten oder gleich ILF und modernste Wurfarme drauf haben - natürlich alle schön traditionell, weil minimal Decals - gut treffen, weil schneller Pfeil, weil geübt im Gap shooting, die sind dann auch ... oder doch nicht traditionell? Kann man das wirklich am Material und am Umgang mit diesem festmachen? Wenn ja, wirds halt eng. Denn sogar die IFAA Prim Klasse erlaubt beliebiges Sehnenmaterial anstatt natürliches zu fordern.

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Offline Landbub

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Und während die pfeilspitzenvisierenden Entfernungsschätzer mit 40m Nullpunkt auf diese Entfernungen kaum daneben schießen können,
sind diejenigen, die das für sich entwickelt haben - traditionelle Jagdbogenbenutzer - quasi Chancenlos.

Du machst also trad. Bogenschießen am Zielen oder Nichtzielen fest? Denn das Material in deinem Fall ja da gleiche.

Das gibt's alles erst, seit sich die olympisch geprägten Fita-Verbände im 3D breit machen. Wohl nicht zuletzt, um ihren Mitgliederschwund zu reduzieren.

Es ist andersrum. V.a. der DSB hat sich lange geweigert, 3D ernst zu nehmen. Die Vereine haben da den Druck ausgeübt, es doch den Österreichern oder Italienern gleich zu tun. Mit dem Mitgliedszahlen hat das nix zu tun. Da sind ausschließlich DOSB Disziplinen relevant.  Ist nicht so ganz gelungen, aber immerhin gibts seit ein paar Jahren schon eine ordentlich organisierte 3D Meisterschaft mit ausreichend Teilnehmern pro Bogen & Altersklasse, um dem "Deutschen Meister" beim DSB einen gewissen Wert zu verleihen. Man muss sich ja auch erst mal qualifiziert haben - und nicht nur schneller als die anderen bei der Anmeldung gewesen sein.
« Letzte Änderung: Februar 01, 2026, 01:54:17 Vormittag von Landbub »
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Offline Landbub

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Ich habe Angst, dass das Herz und die Seele, insbesondere des traditionellen Ursprungs, verloren gehen.

Folgende Frage ist ernst gemeint, auch wenns vielleicht anders klingt:

Wo / wie bekommst du "Herz und Seele" beim Bogenschießen beigebracht? Wo erfährt man diese? Mit "Ruhe und Entschleunigung" oder sowas könnte ich was anfangen. Geht im Wald besser als auf der Bogenwiese und bei der lockerer Parcoursrunde besser wie im Trainingsprogramm.

Aber Herz und Seele? Vor ein paar Monaten frage ich schon nach, was denn die "Seele eines Bogens" sei, die überspringen muss...
Wie bringst du das einem Bogenschüler bei?

Sei gnädig mit der Antwort - für mich ist ein Bogen sowas wie ein Tennisschläger. Oder Langlauf-Ski. Er muss halt funktionieren.
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Offline kungsörn

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Landbub,
es gibt ja das instinktive Zielen, das visierende Zielen und natürlich unzählige Mischformen. Zielen tun aber alle, auch Dartspieler.
Das entfernen von Visieren, bei gleichzeitigen Versuch, alternativ über die Pfeilspitze zu visieren ist m.E. ein recht unlogisches Vorgehen.
Ich kann es mir nur so erklären, dass man sich damit sportliche Erfolge in einer "Nische" erhofft.

Es ist auch nicht das Material als solches. Dass CFK -Schäfte große Vorteile gegenüber Holz bringen (für alle Klassen und Arten), ist ja auch indiskutabel.
Dafür gibt es Bogenklassen - schon immer.

Es geht eher um die Bauart der Bögen, die das Zielen über die Spitze (Systemschießen) erheblich bevorzugt.
Da sind z.B. quasi einstellbar klemmende Nocken, sehr leichte Zuggewichte und leichte Pfeile (gpp). Dazu präzise justierbare Auflagen usw.
Alle diese Dinge begünstigen das Schießen mit GAP und Co.

Gleichzeitig sind genau diese Bauweisen für die Bogenjagt  - bzw. deren spielerischen Nachstellung => "3D" - eher hinderlich (Gerader Stand, Freie Sicht, Nullpunkt 40+ usw.).
Anstatt aber nun die Bauart und den Schießstil den Gegebenheiten des 3D anzupassen, hat man - auf Druck Einzelner und Verbänden - die Gegebenheiten für das Systemschießen optimiert.
Wohl, weil die andern in Europa das auch so machen. :wtf:

Dieses Vorgehen ist frustrierend für die Tradis, weil es nicht nur deren Trefferwahrscheinlichkeit signifikant verschlechtert, sondern auch den Spaßfaktor senkt.
So war das von der Mehrzahl der Vereinsmitglieder sicher auch nicht geplant, als man sich der Breite des Bogenschießens öffnete.
Egal ob nun der Verein (evtl. der Vorstand vom Schützenverein?) oder der Verband der Impulsgeber war.
Mir machen viele 3D-Turniere, auf die ich früher gerne gegangen bin, heute keinen Spaß mehr.

Hm, Nachwuchs:
Also wenn dein Bogen für dich nur ein temporäres Werkzeug ist, wirst Du den Kids kaum einen traditionellen Hintergrund vermitteln können.
Vielleicht wäre es aber möglich, Neulinge darauf hinzuweisen, dass es neben dem Systemschießen noch andere Arten gibt, ein Ziel zu treffen.
Zu empfehlen sind vielleicht auch "nostalgische" Bücher in Papier, anstatt versteckter Werbung von "Einimpfern" auf YT oder Insta.

Ich würde meinen jungen Schützlingen als Erstes sagen, dass der Erfolg beim visierenden Zielen (Gap, POA, Abgreifen usw.) auf korrekte Anwendung mathematischer Modelle beruht.
Die müsse man sich anhand seiner Materialkomponenten systematisch erarbeiten, nachdem man einen penibel vorgegebenen Ablauf einstudiert hat. :angel:
Dann würde ich Fragen, ob man sich noch etwas Anderes unter "Bogenschießen" vorstellen kann und ob das auch Spaß machen darf. ;)
Wie würde "Hawkeye" das wohl hinbekommen? ;D

BTW. Dein Problem ist mir leider nicht fremd.
Wir hatten schon vor mehr als 10 Jahren Anfragen im Verein, ob man nicht auch Abteilungen für E-Sport anbieten kann. :bang:
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Online Gartenpinguin

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Ich habe Angst, dass das Herz und die Seele, insbesondere des traditionellen Ursprungs, verloren gehen.

Folgende Frage ist ernst gemeint, auch wenns vielleicht anders klingt:

Wo / wie bekommst du "Herz und Seele" beim Bogenschießen beigebracht? Wo erfährt man diese? Mit "Ruhe und Entschleunigung" oder sowas könnte ich was anfangen. Geht im Wald besser als auf der Bogenwiese und bei der lockerer Parcoursrunde besser wie im Trainingsprogramm.

Aber Herz und Seele? Vor ein paar Monaten frage ich schon nach, was denn die "Seele eines Bogens" sei, die überspringen muss...
Wie bringst du das einem Bogenschüler bei?

Sei gnädig mit der Antwort - für mich ist ein Bogen sowas wie ein Tennisschläger. Oder Langlauf-Ski. Er muss halt funktionieren.


Herz und Seele, ja - das kommt irgendwie von alleine - aber nicht primär durch das Bogenschießen selbst, sondern durch die Leute mit denen man das gemeinsam macht.
Für mich ist das Traditionelle vor allem die Freunde mit denen man jede Woche abends am Lagerfeuer sitzt. Es ist der Spaß und der Unsinn, die tiefen Gespräche, das gemeinsame Lachen und Weinen.
Es ist die geteilte Bratwurst am Grill. Es ist die Schachtel Zigaretten die man nur zur Not für einen Schützen jedes mal mitbringt, falls er wieder mal seine vergessen sollte.
Es ist der Beitrag zur Gruppe den ein jeder von uns mitbringt, egal ob er ein toller Schütze oder gar ein Bogenbauer ist.
Es ist das zum Geburtstag einfach mal was Individuelles aus Leder zu bauen.
Es ist das bei -10°C und 80 km/h Ostwind gemeinsam Leiden.
Ein einzelner Erfolg in der Gruppe ist ein Gruppenerfolg - weil alle was dazu beigetragen haben.

Es ist gewissermaßen ein Freundschaftsbund. Und das ist ein sehr starker Antrieb um vieles auf die Beine zu stellen.
Wenn man sich darauf einlässt, lernt man mehr als nur das Bogenschießen kennen - vielleicht sogar die Liebe seines Lebens.

Oh ja, sowas gibt es ohne Zweifel in allen Bogenschießklassen, aber nie habe ich das so stark verankert gefunden, wie beim traditionellen Bogenschießen.
Es passiert einfach von alleine, weil man beim traditionellen Schießen in der Natur, bei Kälte, Wind, Regen, Sturm oder Schnee nach einer gewissen Zeit vor allem körperliche und psychische Bedürfnisse hat. Sowas wie Wärme, Hunger, Verletzungen behandeln - also ganz ursinnige Dinge. Und sowas als Gruppe zu lösen schweißt zusammen. Gewissermaßen automatisch.

Man könnte vielleicht sagen, dass es das Gefühl ist, wie als Urmensch in einer Gruppe auf die Jagd zu gehen.
Der Jagderfolg ist der Gruppenerfolg - jeder hat etwas beigetragen und alle haben etwas davon.

Wer heute der Natur trotzt, durch Kleidung mit eingearbeiteten Heizspiralen, dem Köcher voller Snacks und nur mit dem Ziel der maximalen Punktzahl, der verwehrt sich selbst häufig genau solchen Situationen und rutscht da auch nicht hinein.


Offline Landbub

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Nachwuchs:
Also wenn dein Bogen für dich nur ein temporäres Werkzeug ist, wirst Du den Kids kaum einen traditionellen Hintergrund vermitteln können.
Das ist so, ja. Geschichtlich sehr wohl und da scheinbar auch durchaus "ansteckend", schrieb doch einer meiner Schützlinge dann sein W-Seminar (eine wissenschaftliche Arbeit als wichtiger Teil der Abi-Note hier in Bayern... da fließen Wochen an Arbeit rein) über "die Entwicklung des Bogenschießens über die Jahrtausende." Drum ja meine Frage, ob man Traditionell / Herz / Seele an etwas greifbaren Festmachen kann. Mein gegenwärtigen Verständnis ist, dass dies eher eine Art "innere Einstellung zum Bogensport" ist, vielleicht noch unterstützt durch einfaches, idealerweise selbst gebautes oder baubares Material.

Zu empfehlen sind vielleicht auch "nostalgische" Bücher in Papier, anstatt versteckter Werbung von "Einimpfern" auf YT oder Insta.
Du arbeitest wohl nicht viel mit Teenagern, oder?   :angel:
Es ist erschreckend, welchen Einfluss Tiktok & Insta auf deren Aufmerksamkeit und Bereitschaft zum Lesen haben, auch bei Kindern gebildeter Eltern.

nachdem man einen penibel vorgegebenen Ablauf einstudiert hat. :angel:
Genau das macht man. In form des gedanklichen / virtuellen Schußablaufs. Den sollen die Schützlinge aufschreiben. Im Detail. Bei den meisten kommt da eine Prosa-Beschreibung des Positions-Phasenmodells raus. Bei wenigen das, was damit erreicht werden soll: mal tief ins innere schauen und das aufschreiben, was in einem vor geht:  "...danach mache ich die Augen zu, atme einmal ein und aus und strecke meine Knie durch. dabei knackt manchmal das linke Knie ein wenig, aber das tut nicht weh, dafür weiss ich dann sicher, dass es gestreckt ist ..." sowas ist ganz schwer für viele Jugendliche. Und bei manchen kommen dabei 3 oder 4 volle Seiten raus.

Wie würde "Hawkeye" das wohl hinbekommen? ;D

In dem Satz steckt mehr Wahrheit und Sinn, als du vielleicht gedacht hast.  Hmmmm....
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Offline cweg

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Dartspieler zielen nicht über einen Punkt o.ä. Dartspieler fokussieren einen Punkt und üben stunden-/jahrelang den perfekten Wurfablauf. Das kann ich dir aus erster Hand berichten. Wer anfängt über Spitze oder Flight zu „zielen“ landet  schneller als er denkt in der Dartitis aka Targetpanic, Goldangst oder wie immer du es nennen willst.

Und immer dieses Herausstellen „DER Tradition“.  Für mich ist das Käse, da belehren mich Leute, dass Primbow das einzig Wahre ist, steigen nach dem Parcoursgang in ihr E-Auto und fahren in ihr Niedrigenergiehaus…

Ich finde es wichtig, das vermittelt wird wie toll und facettenreich das Bogenschießen ist. Für mich hat jede Art Bogen zu schießen, jedes Material seine Berechtigung. Und glaube mir, auch wenn ich mit meinem Barebow unterwegs bin, erwacht auch der schlummernde Jäger in mir.  Und das ist ein tolles Gefühl, das ist in unseren Genen verankert.
Ich bin gerade dabei wieder auf Langbogen umzusteigen und hab mir auch schon wieder erste Holzpfeile gebaut.
Ändert das etwas an dem Gefühl, dass ich beim Bogenschießen habe? Ich denke nicht.





Offline cweg

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  • Bogenschießen in einer bunten Welt
@Gartenpinguin Das was du mit Gruppe, Gruppengefühl beschreibst, unterschreibe ich voll und das ist auch das, was ich am Bogenschießen (und jetzt beim Dart) so mag.