Archers Campfire

3D (nach DFBV) - Setup für Systemschützen


Offline kungsörn

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Landbub,
es gibt ja das instinktive Zielen, das visierende Zielen und natürlich unzählige Mischformen. Zielen tun aber alle, auch Dartspieler.
Das entfernen von Visieren, bei gleichzeitigen Versuch, alternativ über die Pfeilspitze zu visieren ist m.E. ein recht unlogisches Vorgehen.
Ich kann es mir nur so erklären, dass man sich damit sportliche Erfolge in einer "Nische" erhofft.

Es ist auch nicht das Material als solches. Dass CFK -Schäfte große Vorteile gegenüber Holz bringen (für alle Klassen und Arten), ist ja auch indiskutabel.
Dafür gibt es Bogenklassen - schon immer.

Es geht eher um die Bauart der Bögen, die das Zielen über die Spitze (Systemschießen) erheblich bevorzugt.
Da sind z.B. quasi einstellbar klemmende Nocken, sehr leichte Zuggewichte und leichte Pfeile (gpp). Dazu präzise justierbare Auflagen usw.
Alle diese Dinge begünstigen das Schießen mit GAP und Co.

Gleichzeitig sind genau diese Bauweisen für die Bogenjagt  - bzw. deren spielerischen Nachstellung => "3D" - eher hinderlich (Gerader Stand, Freie Sicht, Nullpunkt 40+ usw.).
Anstatt aber nun die Bauart und den Schießstil den Gegebenheiten des 3D anzupassen, hat man - auf Druck Einzelner und Verbänden - die Gegebenheiten für das Systemschießen optimiert.
Wohl, weil die andern in Europa das auch so machen. :wtf:

Dieses Vorgehen ist frustrierend für die Tradis, weil es nicht nur deren Trefferwahrscheinlichkeit signifikant verschlechtert, sondern auch den Spaßfaktor senkt.
So war das von der Mehrzahl der Vereinsmitglieder sicher auch nicht geplant, als man sich der Breite des Bogenschießens öffnete.
Egal ob nun der Verein (evtl. der Vorstand vom Schützenverein?) oder der Verband der Impulsgeber war.
Mir machen viele 3D-Turniere, auf die ich früher gerne gegangen bin, heute keinen Spaß mehr.

Hm, Nachwuchs:
Also wenn dein Bogen für dich nur ein temporäres Werkzeug ist, wirst Du den Kids kaum einen traditionellen Hintergrund vermitteln können.
Vielleicht wäre es aber möglich, Neulinge darauf hinzuweisen, dass es neben dem Systemschießen noch andere Arten gibt, ein Ziel zu treffen.
Zu empfehlen sind vielleicht auch "nostalgische" Bücher in Papier, anstatt versteckter Werbung von "Einimpfern" auf YT oder Insta.

Ich würde meinen jungen Schützlingen als Erstes sagen, dass der Erfolg beim visierenden Zielen (Gap, POA, Abgreifen usw.) auf korrekte Anwendung mathematischer Modelle beruht.
Die müsse man sich anhand seiner Materialkomponenten systematisch erarbeiten, nachdem man einen penibel vorgegebenen Ablauf einstudiert hat. :angel:
Dann würde ich Fragen, ob man sich noch etwas Anderes unter "Bogenschießen" vorstellen kann und ob das auch Spaß machen darf. ;)
Wie würde "Hawkeye" das wohl hinbekommen? ;D

BTW. Dein Problem ist mir leider nicht fremd.
Wir hatten schon vor mehr als 10 Jahren Anfragen im Verein, ob man nicht auch Abteilungen für E-Sport anbieten kann. :bang:
Niemals fesselt mich ein Band, riegelt mich ein Riegel
Suchte meinesgleichen, fand nur Sünder ohne Zügel
(In Extremo, "Sünder ohne Zügel")


Online Gartenpinguin

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Ich habe Angst, dass das Herz und die Seele, insbesondere des traditionellen Ursprungs, verloren gehen.

Folgende Frage ist ernst gemeint, auch wenns vielleicht anders klingt:

Wo / wie bekommst du "Herz und Seele" beim Bogenschießen beigebracht? Wo erfährt man diese? Mit "Ruhe und Entschleunigung" oder sowas könnte ich was anfangen. Geht im Wald besser als auf der Bogenwiese und bei der lockerer Parcoursrunde besser wie im Trainingsprogramm.

Aber Herz und Seele? Vor ein paar Monaten frage ich schon nach, was denn die "Seele eines Bogens" sei, die überspringen muss...
Wie bringst du das einem Bogenschüler bei?

Sei gnädig mit der Antwort - für mich ist ein Bogen sowas wie ein Tennisschläger. Oder Langlauf-Ski. Er muss halt funktionieren.


Herz und Seele, ja - das kommt irgendwie von alleine - aber nicht primär durch das Bogenschießen selbst, sondern durch die Leute mit denen man das gemeinsam macht.
Für mich ist das Traditionelle vor allem die Freunde mit denen man jede Woche abends am Lagerfeuer sitzt. Es ist der Spaß und der Unsinn, die tiefen Gespräche, das gemeinsame Lachen und Weinen.
Es ist die geteilte Bratwurst am Grill. Es ist die Schachtel Zigaretten die man nur zur Not für einen Schützen jedes mal mitbringt, falls er wieder mal seine vergessen sollte.
Es ist der Beitrag zur Gruppe den ein jeder von uns mitbringt, egal ob er ein toller Schütze oder gar ein Bogenbauer ist.
Es ist das zum Geburtstag einfach mal was Individuelles aus Leder zu bauen.
Es ist das bei -10°C und 80 km/h Ostwind gemeinsam Leiden.
Ein einzelner Erfolg in der Gruppe ist ein Gruppenerfolg - weil alle was dazu beigetragen haben.

Es ist gewissermaßen ein Freundschaftsbund. Und das ist ein sehr starker Antrieb um vieles auf die Beine zu stellen.
Wenn man sich darauf einlässt, lernt man mehr als nur das Bogenschießen kennen - vielleicht sogar die Liebe seines Lebens.

Oh ja, sowas gibt es ohne Zweifel in allen Bogenschießklassen, aber nie habe ich das so stark verankert gefunden, wie beim traditionellen Bogenschießen.
Es passiert einfach von alleine, weil man beim traditionellen Schießen in der Natur, bei Kälte, Wind, Regen, Sturm oder Schnee nach einer gewissen Zeit vor allem körperliche und psychische Bedürfnisse hat. Sowas wie Wärme, Hunger, Verletzungen behandeln - also ganz ursinnige Dinge. Und sowas als Gruppe zu lösen schweißt zusammen. Gewissermaßen automatisch.

Man könnte vielleicht sagen, dass es das Gefühl ist, wie als Urmensch in einer Gruppe auf die Jagd zu gehen.
Der Jagderfolg ist der Gruppenerfolg - jeder hat etwas beigetragen und alle haben etwas davon.

Wer heute der Natur trotzt, durch Kleidung mit eingearbeiteten Heizspiralen, dem Köcher voller Snacks und nur mit dem Ziel der maximalen Punktzahl, der verwehrt sich selbst häufig genau solchen Situationen und rutscht da auch nicht hinein.


Offline Landbub

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Nachwuchs:
Also wenn dein Bogen für dich nur ein temporäres Werkzeug ist, wirst Du den Kids kaum einen traditionellen Hintergrund vermitteln können.
Das ist so, ja. Geschichtlich sehr wohl und da scheinbar auch durchaus "ansteckend", schrieb doch einer meiner Schützlinge dann sein W-Seminar (eine wissenschaftliche Arbeit als wichtiger Teil der Abi-Note hier in Bayern... da fließen Wochen an Arbeit rein) über "die Entwicklung des Bogenschießens über die Jahrtausende." Drum ja meine Frage, ob man Traditionell / Herz / Seele an etwas greifbaren Festmachen kann. Mein gegenwärtigen Verständnis ist, dass dies eher eine Art "innere Einstellung zum Bogensport" ist, vielleicht noch unterstützt durch einfaches, idealerweise selbst gebautes oder baubares Material.

Zu empfehlen sind vielleicht auch "nostalgische" Bücher in Papier, anstatt versteckter Werbung von "Einimpfern" auf YT oder Insta.
Du arbeitest wohl nicht viel mit Teenagern, oder?   :angel:
Es ist erschreckend, welchen Einfluss Tiktok & Insta auf deren Aufmerksamkeit und Bereitschaft zum Lesen haben, auch bei Kindern gebildeter Eltern.

nachdem man einen penibel vorgegebenen Ablauf einstudiert hat. :angel:
Genau das macht man. In form des gedanklichen / virtuellen Schußablaufs. Den sollen die Schützlinge aufschreiben. Im Detail. Bei den meisten kommt da eine Prosa-Beschreibung des Positions-Phasenmodells raus. Bei wenigen das, was damit erreicht werden soll: mal tief ins innere schauen und das aufschreiben, was in einem vor geht:  "...danach mache ich die Augen zu, atme einmal ein und aus und strecke meine Knie durch. dabei knackt manchmal das linke Knie ein wenig, aber das tut nicht weh, dafür weiss ich dann sicher, dass es gestreckt ist ..." sowas ist ganz schwer für viele Jugendliche. Und bei manchen kommen dabei 3 oder 4 volle Seiten raus.

Wie würde "Hawkeye" das wohl hinbekommen? ;D

In dem Satz steckt mehr Wahrheit und Sinn, als du vielleicht gedacht hast.  Hmmmm....
Abonniert bitte https://www.youtube.com/@ArcheryGirls
Das motiviert meine Jugendgruppe ganz enorm, hier weitere Videos zu produzieren.

Beherrscht du deinen Bogen oder beherrscht er dich? So findest du deine ideale Zugkraft: https://youtu.be/-8xkYqie5x8


Offline cweg

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Dartspieler zielen nicht über einen Punkt o.ä. Dartspieler fokussieren einen Punkt und üben stunden-/jahrelang den perfekten Wurfablauf. Das kann ich dir aus erster Hand berichten. Wer anfängt über Spitze oder Flight zu „zielen“ landet  schneller als er denkt in der Dartitis aka Targetpanic, Goldangst oder wie immer du es nennen willst.

Und immer dieses Herausstellen „DER Tradition“.  Für mich ist das Käse, da belehren mich Leute, dass Primbow das einzig Wahre ist, steigen nach dem Parcoursgang in ihr E-Auto und fahren in ihr Niedrigenergiehaus…

Ich finde es wichtig, das vermittelt wird wie toll und facettenreich das Bogenschießen ist. Für mich hat jede Art Bogen zu schießen, jedes Material seine Berechtigung. Und glaube mir, auch wenn ich mit meinem Barebow unterwegs bin, erwacht auch der schlummernde Jäger in mir.  Und das ist ein tolles Gefühl, das ist in unseren Genen verankert.
Ich bin gerade dabei wieder auf Langbogen umzusteigen und hab mir auch schon wieder erste Holzpfeile gebaut.
Ändert das etwas an dem Gefühl, dass ich beim Bogenschießen habe? Ich denke nicht.





Offline cweg

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@Gartenpinguin Das was du mit Gruppe, Gruppengefühl beschreibst, unterschreibe ich voll und das ist auch das, was ich am Bogenschießen (und jetzt beim Dart) so mag.


Offline Landbub

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Oh ja, sowas gibt es ohne Zweifel in allen Bogenschießklassen, aber nie habe ich das so stark verankert gefunden, wie beim traditionellen Bogenschießen.

Tatsächlich sehe ich vieles von dem, was du geschrieben hast, auch in anderen Bogenklassen. Vielleicht werden da keine selbst-punzierten Armschoner verschenkt, aber sich immer gegenseitig geholfen, z.B. mit einem Auflageblech, das einer als Ersatz dabei hat, und der, der sichs um Gebüsch verbogen hat, leider nicht. Und wichtig - das auch im Wettbewerb. Der Kamerad ist aber auch der Gegner und man freut sich, natürlich nur innerlich, wenn dem mal ein Schuss nicht so gut gelingt. Genau diesen Kontrast sehe und mag ich in den Wettkämpfen. Bogenschützen sind füreinander da, auch in Wettkampfsituationen. Kraftfutter oder Antibrumm teilen, Schatten aufs Scope oder Peep geben, mit dem Fernglas Treffer ansagen oder warnen, wenn Geäst oben nah am Wurfarm ist. Aber dennoch will man ein Ziel nicht gemeinsam erlegt haben, sondern selber besser als der andere gewesen sein. Aber man macht natürlich auch gerne ein Gruppenselfie mit Tier, wenn da mal 8 oder 12 Pfeile in der 10 und 11 stecken. Dieses wird dann bei der Siegerehrung auch gerne anderen Gruppen gezeigt mit "da schau, so hats da bei UNS ausgschaut".

Was ich aber immer noch nicht verstehe: wo spielt da das Material / Zielen eine Rolle? So wie du schreibst, ist es ja eh eher sekundär, wessen Pfeile am besten stecken. Insofern sollte doch ein Systemschütze eher einen Mehrwert für die Gruppe bringen aufgrund seines anderen Könnens.
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Online Grendel

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Wo / wie bekommst du "Herz und Seele" beim Bogenschießen beigebracht? Wo erfährt man diese? Mit "Ruhe und Entschleunigung" oder sowas könnte ich was anfangen. Geht im Wald besser als auf der Bogenwiese und bei der lockerer Parcoursrunde besser wie im Trainingsprogramm.

Aber Herz und Seele? Vor ein paar Monaten frage ich schon nach, was denn die "Seele eines Bogens" sei, die überspringen muss...
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Herz und Seele, ja - das kommt irgendwie von alleine - aber nicht primär durch das Bogenschießen selbst, sondern durch die Leute mit denen man das gemeinsam macht.
Für mich ist das Traditionelle vor allem die Freunde mit denen man jede Woche abends am Lagerfeuer sitzt. Es ist der Spaß und der Unsinn, die tiefen Gespräche, das gemeinsame Lachen und Weinen.
Es ist die geteilte Bratwurst am Grill. Es ist die Schachtel Zigaretten die man nur zur Not für einen Schützen jedes mal mitbringt, falls er wieder mal seine vergessen sollte.
Es ist der Beitrag zur Gruppe den ein jeder von uns mitbringt, egal ob er ein toller Schütze oder gar ein Bogenbauer ist.
Es ist das zum Geburtstag einfach mal was Individuelles aus Leder zu bauen.
Es ist das bei -10°C und 80 km/h Ostwind gemeinsam Leiden.
Ein einzelner Erfolg in der Gruppe ist ein Gruppenerfolg - weil alle was dazu beigetragen haben.

Es ist gewissermaßen ein Freundschaftsbund. Und das ist ein sehr starker Antrieb um vieles auf die Beine zu stellen.
Wenn man sich darauf einlässt, lernt man mehr als nur das Bogenschießen kennen - vielleicht sogar die Liebe seines Lebens.

Oh ja, sowas gibt es ohne Zweifel in allen Bogenschießklassen, aber nie habe ich das so stark verankert gefunden, wie beim traditionellen Bogenschießen.
Es passiert einfach von alleine, weil man beim traditionellen Schießen in der Natur, bei Kälte, Wind, Regen, Sturm oder Schnee nach einer gewissen Zeit vor allem körperliche und psychische Bedürfnisse hat. Sowas wie Wärme, Hunger, Verletzungen behandeln - also ganz ursinnige Dinge. Und sowas als Gruppe zu lösen schweißt zusammen. Gewissermaßen automatisch.

Man könnte vielleicht sagen, dass es das Gefühl ist, wie als Urmensch in einer Gruppe auf die Jagd zu gehen.
Der Jagderfolg ist der Gruppenerfolg - jeder hat etwas beigetragen und alle haben etwas davon.

Wer heute der Natur trotzt, durch Kleidung mit eingearbeiteten Heizspiralen, dem Köcher voller Snacks und nur mit dem Ziel der maximalen Punktzahl, der verwehrt sich selbst häufig genau solchen Situationen und rutscht da auch nicht hinein.

Und dann gibts Leute die Gap schiessend, mit Monokular und Rangefinder ausgestattet, Grödel an den Schuhen und gehüllt in feinsten Engelbert Strauss Zwirn durch den winterlichen Wald huschen und trotzdem mit Freunden dann bei der Laabe sitzen. Sich dort ein wohlverdientes Bier gönnen, bissl Gams Salami und Bauernbrot futtern und sich unterhalten und Spass haben.

Punkte werden natürlich gezählt, das Schiessen wird ernst genommen... Moderne Technik, moderne Schiess / Ziel Methoden und sportlicher Ehrgeiz schließen das Gemeinsame und Gesellige nicht aus.

Haselnussstecken und Holzpfeile sind da keine zwingende Voraussetzung .
Hoyt Satori, Uukha Gobi
Easton Axis
VLBB Tab


Offline kungsörn

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Landbub, ich hab auch zwei Mädels daheim. In genau dem Alter, in dem die Eltern abwechseln schwierig und dann wieder peinlich sind.
Hinter die Anmerkung mit dem gebundenen Papier hätte man auch ein Ironie-zeichen setzen können, oder sollen...ja.
Mein Hinweis auf Hawkeye kommt aber nicht von ungefähr. Ich möchte jungen Leuten immernoch ein gewisses Maß an Intelligenz unterstellen.
Die machen sich auch ihre Gedanken, wie man etwas erreicht und zu welchem Preis.

Cweg, du nennst es Fokussieren. Ich habe es als Zielen bezeichnet.
Wir meinen sicher das selbe und können es gerne Fokussieren nennen.
Auch der Begriff der Tradition ist sehr dehn- und drehbar. Ich will mich deshalb an dessen Definitionen nicht abarbeiten.

Herz und Seele ist etwas sehr persönliches. Der Bezug zur Tradition (Geschichte) ist genauso stark oder schwach, wie er individuell ist.
Dinge entwickel sich. Das ist OK und wir alle sind froh, den Bogen als Hobby und nicht fürs nackte Überleben benutzen zu müssen.

3D-Bogenschießen hat aber für die meisten immernoch einen jaglichen Bezug, mit entsprechen starken Bögen und einfacher intuitiver sowie schneller Technik.
Das ist es auch, was - für mich - das Herz und die Seele ausmacht.
Der Kernpunkt des Frustes ist dann aber tatsächlich, dass sich genau diejenigen zunehmend verdrängt fühlen, die das praktizieren und pflegen.

Auch wenn es den meisten gar nicht bewusst, geschweige denn gewollt ist, sind weite Autobahnschüsse genau das Gegenteil vom ursprünglichen 3D-Gedanken.
Allein diese zwei Eigenschaften (weit + freistehend) reichen schon aus, alles Ursprüngliche am 3D komplett auszuhöhlen.
Dabei liegen so Regeln, wie z.B. sinnfreie Bekleidungsvorschriften aus dem Fita-Bereich, noch gar nicht auf dem Tisch.

Es ist geradezu grotesk, dass es erhebliche Vorteile bringt, im 3D-Turnier einen leichten, jagduntauglichen Bogen mit ebenso jagduntauglicher Schusstechnik zu benutzen.
Bsp.:
Ich habe einen CP, der perfekt für die echte Bogenjagd geeignet wäre, sofern ich denn wollte. Tatsächlich darf ich ihn genau deshalb nicht im 3D benutzen (70# + 3-Punkt-Visier).
Selbst wenn ich ihn auf 60# herunterdrehe und das Visier wechsel, wirken sich die 28"ATA nachteilig aus. :bang:

Es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen gesunder Entwicklung und Verdrängung, auch wenn es leider oft genug eine Mischung aus beiden ist.
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Offline Landbub

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Allein diese zwei Eigenschaften (weit + freistehend) reichen schon aus, alles Ursprüngliche am 3D komplett auszuhöhlen.


Da hast du schon recht und im Threadnamen steht auch DFBV. Da gehts ja bis knapp 55m
Aber die 30m für visierlose Bögen bei WA / DSB werden i.A. als "jagdlich" bezeichnet. Auch die Wertung, die zwischen "tot" und "Waidwund" groß differenziert (5 / 10-11) wird als Jagdlicher angesehen, als die 20/16 Wertung. Kritik, die man hört:
- Doppelhunter ist nicht jagdlich, weil da gibs keinen 2. Schuss
- Zu zweit am Pflock ist doof
- und eben die "Autobahnen"

hinter dem letzten Punkt stehe ich aber 100%, weil ich schon öfters gesehen habe, wo Querschläger landen können. Irgendwas, was einen halbwegs Richtung Ziel geschossenen Pfeil ablenken könnte, hat auf einem Wettkampf nix zu suchen. Vereinsparcours sind eine ganz andere Geschichte.
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