Eine interessante Diskussion. Aber warum wird hier von "entweder / oder" gesprochen, wenn es um Speed und Schätzgenauigkeit geht? Das Eine schließt das Andere nicht aus. Das ergänzt sich doch. Selbst bei Feldbogen, wo man dank Strahlensatz und viel Übung wirklich recht genau "schätzen" kann, bleibt auch bei guten Leuten ein Fehler von 3 bis 5%, weil man seine "Schätzhilfe" wie den Button nicht ruhig genug ins Zielbild halten kann.
Wenn also die unbekannte 80er nicht auf den geschätzten 43m sondern doch auf den max. 45m steht, machen plusminus 15 fps einen zählbaren Unterschied.
Warum machts dann nicht jeder? Weil ein leichtes Setup auch Nachteile hat. Unstrittig ist die reduzierte Toleranz bei Lösefehlern, was aber sehr individuell ist.
Ein anderes ist das von Jürgen vorgebrachte Argument, der in seiner langen Karriere halt schon gefährliche Schäden gesehen hat, wie im Bogen gebrochene Pfeile oder gebrochene Wurfarme, was definitiv zu Verletzungen führen kann (auch beim Nachbarn am Pflock) und durch leichte Pfeile verursacht oder zumindest "gefördert" werden kann. Dran denken. Der Limes des Leichtbaus ist der Leerschuss.
Allerdings sind die von Jürgen genannten "weniger als 4 GPP" schon wirklich extrem. Rechne mal: 28" langer Schaft mit 3,9 GPI = 110gn + 50gn Spitze + 15gn hinten = 175gn fürn Pfeil, also müsste der Bogen 44# haben und damit schießt man aber keinen 700er Spine mehr und steifere sind schwerer. Es ist mit dem Recurve gar nicht so einfach, an 5 GPP zu kommen, geschweige denn drunter. Sprich: wer sowas hinbekommt, mit 30gn Aluspitzen oder sowas, der weiss (hoffentlich), was er weit ausserhalb der Spinechart-Empfehlung tut und hat seinen Bogen dafür abgestimmt. Ich würds nicht tun, nachdem ich mal die Folgen eines im Bogen gebrochenen Pfeils bei jemanden verarztet hab. Der Pfeil war nicht leicht, vermutlich beschädigt, aber wenn die Bruchkante des Carbon-Rohrs eine Furche über den Handrücken bei Zeige- und Mittelfinger gräbt, wird die Hand des Schützen rot und das Gesicht weiss.
6 bis 6,5 GPP sind gut machbar und - da hab ich mit jemanden von Uukha gesprochen - überhaupt kein Problem für die Technik. Nimmt man dann noch eine Spectra Sehne statt einer Mercury, knallt da nix und kostet max 2 fps.
Apropos Technik: Niemand sollte sich wundern, dass bei Barebow und auch bei TradBow jeder Technik-Strohalm ergriffen wird. Das hat nix damit zu tun, dass man nicht trainieren will, sondern, wie ich es oben geschrieben hab, es auch Vorteile für geübte Schützen bringt. Warum kaufen sich viele in der Compound / FU Klasse seit jeher spätestens alle 2 Jahre das neue Flagship Modell? Sicher nicht nur wegen dem Capi in der Tüte. Oder wegen "jetzt bekomme ich den alten noch für gutes Geld verkauft". Er "könnte" ja doch besser sein als der alte und der Dings und der Bums kaufen den ja auch. Warum sollte das bei anderen Bogenklassen anders sein? Sportordnungen werden bis zum erBRECHEN (i.w.S.d.W.) ausgenutzt.