Archers Campfire

'Geschwindigkeit ist nicht alles'

Offline Daniel124

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Landbub schrieb: "Hohes Zuggewicht ist dafür nicht notwendig, leichte Pfeile tuns."

Alleweil. Die meisten, die auch mal etwas weitere Schüsse machen, begegnen niedrigerem Zuggewicht mit leichten Pfeilen und kleinen Federn. Und klassenbezogen effektiven Bögen, schnellem Sehnenmaterial usw. Wer will schon auf etwas weitere Distanzen seine Pfeile sinken sehen wie die Titanic ...

Ich kann nicht glauben, dass zwei Drittel (so steht gerade das Voting) den Schwerpunkt NICHT auf Pfeilgeschwindigkeit legen.  Irgendwas wird in den meisten Fällen gemacht um eine flache Ballsitik hinzubekommen.

Ich wills nicht haben, aber ich bin überzeugt davon, dass wenn die Umfrage gelautet hätte "Wer schießt noch Dacron?" oder "Wer schießt über 10 gpp?" das Umfrageergebnis im Sinne der schnellen Pfeile genau umgekehrt wäre  ;)
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Offline Cayuga

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Mach’s wissenschaftlich. Stell die Kontrollfragen ein.
Bögen:
Langbogen Verus von DerBow 42# @ 31“
Langbogen Bearpaw Super-Cayuga 44# @ 32“
Pfeile:
Fichte 11/32 mit Nocktaper auf 5/16 (selbstgebaut)


Offline Daniel124

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Hier mal was wissenschaftliches.

Beispiel:
Aus einem 35# trad. Recurve ist die V-Null mit einem 18-Gramm-Pfeil 180 fps, mit einem 24 Gramm-Pfeil 150 fps.
Das ist eine Schätzung anhand Youtube-Messungen, nicht auf die Goldwaage legen, es ist nur eine mögliche realistische Annahme .
Der 18 Gramm-Pfeil hat im Beispiel 7,8 gpp, der 24 Gramm-Pfeil 10,5 gpp.
 
Mit dem Flugkurven-Berchenungstool auf https://www.kyudo-sum.de kommen unten stehende Flugkurven heraus.

Ergebnis:
Für einen 30-Meter-Schuss ist die ballistische Kurve mit dem leichten Pfeil 40 cm, mit dem schwereren 60 cm.
Ein Verschätzen im Anstellwinkel wirkt sich hier also beim 10,5 ggp-Pfeil bis zu 50% stärker aus als beim 7,8 gpp-Pfeil.
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Offline Landbub

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Ich kann nicht glauben, dass zwei Drittel (so steht gerade das Voting) den Schwerpunkt NICHT auf Pfeilgeschwindigkeit legen. 

Der @Bazi hats ja oben geschrieben und ich kenne da noch den einen oder anderen Bogenschützen, die das auch so handhaben.

Ein Holzpfeil hingegen, der - am besten bergab - auf längere Distanzen unterwegs ist, hat für mich etwas unglaublich majestätisches, wenn er mit der richtigen Geschwindigkeit durch die Luft fliegt.

Das hat m.E. weder was mit sportlichem, noch mit traditionellen Bogenschiessen zu tun. Das geht Richtung meditativen Bogenschiessen und das sage ich ganz wertfrei. Ich kenne da jemanden - ich zitiere - "da gehe ich an den Waldrand, gebe meine Sorgen und Ängste in den Pfeil und sehe zu, wie diese dann von mir wegfliegen". Dann wird noch eine alte Eiche fest umarmt und dann gehts wieder besser. Mir fehlt komplett der Zugang zu derartigem Verhalten, drum kann ich mir da kein Urteil ausser "eher seltsam" erlauben. Will damit nur sagen: es gibt menschen, die müssen / wollen den Pfeilflug sehen. Beim intuitiven Bogenschiessen machts auch Sinn, dem Gehirn die Info der Flugparabel nicht vorzuenthalten.

Liegt die Absicht aber beim Treffen, so tut man gut daran, die Parabel so flach wie möglich zu halten.
Mir glangts, dass i woass, dass i kantad, wenn i mechat.


Offline Grombard

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Ich behaupte mal ganz frech, dass Speed für Visier und Systemschützen sehr wichtig und ein klarer Wettbewerbsvorteil ist.

Für den Schützen, der aufs Ziel schaut und dank jahrelanger Erfahrung dann halt irgendwie trifft, ist der Speed (in gewissen Grenzen natürlich) eher sekundär.

Neulich durfte ich in Ummerstadt mit ein paar sehr langjährigen Schützen unterwegs sein.
Und da hat der mit dem gefühlt langsamsten Bogen (PB mit Holzpfeilen) am besten getroffen.
irgendwas is ja immer


Offline roscho

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Ich lese da ja nur „interessiert“ mit, aber ich glaube die Frage ist einfach zu einfach gestellt ;)
Erstens ist „traditionelles Bogenschiessen“ keine sportliche Disziplin und zweitens der Anspruch zu breit gewählt.

Ein „Leistungssportlich“ orientierter Bogenschütze mit „traditionell“ gewählten Material wird andere Anforderungen an den Pfeilflug haben als der von Landbub beschriebene „eher meditative“ Bogenschütze.
Ein intuitiver Schütze der sich wirklich den Pfeilflug einprägen will andere als der Systemschütze.

Es geht auch um Entfernungen - max 30 m WA ist etwas anderes als die IFAA 54m ....

Und dann gibt es noch die Extremausnahmen wie „Rover“ deren Augenmerk auf schweren stabilen Pfeilen liegt ...

Aber ruhig weiter in der Diskussion, ich lese interessiert mit ;)
Bogenschiessen ist einfach, aber nicht leicht ;)
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Offline Daniel124

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Zitat Grombard: "Und da hat der mit dem gefühlt langsamsten Bogen (PB mit Holzpfeilen) am besten getroffen."

Jepp, so was kenn ich. 2007 hat beim Kufsteiner Härtetest ein gefühlt uralter Typ mit einem Prim-Bow das ganze Feld an Recurvern und Langbognern im besten Alter deklassiert. Im gleichen Zeitraum zog ein anderer durch die regionalen Turniere mit einer glasbelegten Holzleiste (echt jetzt) und lauter verschiedenen Holzpfeilen und räumte vordere Plätze ab. Ein anderer hat nach 6 Bier aufwärts nur noch Kills geschossen. Und Helmut Schmidt hat gequalmt wie ein Schlot und wurde ewig alt.

Irgendwo ist immer einer, der, weit neben dem allgemein Gültigen oder Erklärbaren, alle anderen aussticht.

Jedenfalls hab ich hier 2, 3 Beispiele gelesen, denen ichs abnehme, dass ihnen Geschwindigkeit / flache Ballistik fast wurscht ist.

« Letzte Änderung: März 01, 2020, 02:58:03 Nachmittag von Daniel124 »
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Online Sir Robin

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Ist mir Speed wichtig?

Klar, ich mag es nicht besonders, wenn der Pfeil kurz vorm Einschlag beschließt nicht mehr fliegen zu wollen und entkräftet im Grasboden versinkt. Dafür tue ich auch einiges: leichte Skinnys / BCY X Endlossehne / 43#adf / kleine Federn ohne Drall

Andererseits habe ich Paracord Puschel eingeflochten, die Sehne hat 20 Strang und der Pfeil ist ungekürzt und ich gebe ihm vorne noch ordentliche 140gn Gewicht mit.

Daher würde ich für mich das so beantworten:

Das Ausreizen der Geschwindigkeit durch effizientes Material ermöglicht mir Freiheiten bei der Auswahl eines "stabileren" Pfeils. Speed ist wichtig, aber das für mich passende Gesamtsystem ist wichtiger.


Offline Waldgeist

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Keine Frage: Man könnte die Umfrage natürlich im Bereich der Fragestellung eingehender vertiefen und käme so auf ein anderes Bild/Ergebnis. Dennoch ist das Ergebnis nun schon - auch mit zunehmenden Einträgen - gefestigt, indem 2/3 der Auffassung sind, dass ihnen die Geschwindigkeit ihrer Pfeile weniger wichtig ist.  Für mich ein durchaus überrascehndes Bild.
„Jeder Mensch kann irren, aber Dummköpfe verharren im Irrtum!“
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Offline Knorr

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Ich für meinen Teil kann nur bestätigen dass ich definitiv kein großes Interesse an möglichst schnellen Pfeilen habe. Ich habe die ersten Jahre meiner Bogen Zeit mit 8,6gpp Pfeilen und Foc von 17,5 % geschossen. Die extreme Parabel kann man sich vorstellen. Getroffen habe ich aber auch damals schon.
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Offline Daniel124

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Zitat Knorr: "... kein großes Interesse an möglichst schnellen Pfeilen ... habe ... 8,6gpp Pfeilen und Foc von 17,5 % geschossen. Die extreme Parabel kann man sich vorstellen."

Also 8,6 gpp fällt für einen Carbonpfeil von einem trad. Bogen m.E. nach unter leicht. Der FOC geht nicht in die Außenballistik ein. Da müssten schon Federn mit hoher Bremswirkung auf dem Pfeil sein um eine 'extreme' Ballistik zu bekommen.
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Offline Ulrich

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Für meinen trad. Bogen hätte ich noch Pfeile mit 9gpp. Da ich lieber Holzpfeile brauche, bin ich aber bei 10,5gpp. Der Unterschied in der Pfeilgeschwindigkeit ist spürbar aber für meine gegenwärtigen Distanzen nicht relevant. Bei Bedarf kämen die Tracer weg und die Federn würden gestutzt. Bedarfsgerechte Geschwindigkeitsoptimierung unter Berücksichtigung persönlicher Präferenzen.
« Letzte Änderung: März 02, 2020, 08:54:52 Vormittag von Ulrich »


Offline aquadrat

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Habe jetzt mal "ist mir sehr wichtig angekreuzt" auch wenn es mir wie vielen hier geht: speed ist wichtig, entscheidend ist aber das Gesamtpaket. Mein "Extrem" in Sachen speed waren Pfeile mit unter 7gpp, knapp über 40# adF und knapp 220fps. Davon bin ich wieder weg, nicht weil ich damit schlechter getroffen hätte, sondern weil v.a. die Pfeile nicht mehr ausreichend robust waren. Jeder Fehlschuss gleich Pfeil kaputt nervt wenn man drei bis vier Wochen im Jahr auf den verschiedensten Parcours unterwegs ist (Bogenurlaub...). Außerdem mögen die Schultern über 40# auf dauer nicht mehr so gerne. Andersrum, alles unter 180fps macht mir keinen Spaß.
Und dass das Setup perfekt getuned ist, aus den Pfeilen beim Bau alles rausgeholt wird (Spine, Spline), der Bogen sich komfortabel schießt (den ganzen Tag,  2 mal über den Parcours, zwei Wochen lang jeden Tag, #feelthepassion100...) und nicht laut ist, ist für mich die Grundvoraussetzung um überhaupt damit schießen zu wollen und völlig unabhängig davon wofür optimiert wurde.

Gruß, A.
Heavy Metal Archery
MTs ILF: Hoyt, Gravity, WildMountain, Spider Bows, WAs: Uukha, MK


Offline Coureur de bois

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nun vor Jahren haben wir beim Training im Wald/Birkensträucher mit Hanglage, kleine Fenster so in DIN A4 10 bis 15 Meter vor dem Ziel, als "Durchschuschuß" vorgegeben. Mein damaliger Bogen 45´` durfte 32 Gramm bewegen...Fehler wurden mit Pfeilbruch belohnt...ich glaube da hatten die Pfeile wenig Tempo. Zu der Zeit half diese Technik bei Turnieren im "Findlingswald".
Später wurden die "Schussbahnen" von Zweigen befreit, die Pfeile leichter 26 Gramm (45"), dann den Sperber mit 24 Gramm...wusch und wech...
Blöd ist nur wenn sich der Pfeil bei 45 Meter oder so, vor dem Ziel senkt und unklar ist ob 2 oder 8 Meter....
Irgend wann möchte ich mal messen wie schnell die Schäfte unter welchen Bedingungen unterwegs sind..
coureur
« Letzte Änderung: März 02, 2020, 12:34:51 Nachmittag von Coureur de bois »
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Ballweg Sperber,Robinie Selfbow, Tomahawk45",
"Reiter"Double-Wave (Mod. Rutschke/Benzi)
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"Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du."


Offline Knorr

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@Daniel 124:wenn du an einen 32" langen Pfeil mit 4Zoll Befiederung eine 145er spitze mit 35er insert verbaust, dann hat der Pfeil auch bei geringen 8,6gpp eine gute ballistische Kurve. Meine derzeitigen setups bewegen sich bei 9,3 bis 9,6gpp.
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