Wenn Du nich aktiv zielst, wirst du eine der vielen intuitiven Schießstile inne haben.
Du hast also mit dem mediterranen Stil Dein Gehirn schon konditioniert. Bogenhand, Fenster und Pfeil haben eine Ausrichtung und Dein Kopf sagt Dir, wann du "im Ziel" bist und lösen kannst.
Jetzt auf einen Reiterbogen umzusteigen bedeutet, dass Du Dir klar sagen musst, dass Du wie ein Baby wieder bei 0 anfängst. Alles was Du vorher konntest, kannst Du nicht auf Reiterbögen mit Daumentechnik anwenden. Die Ausrichtung von Körper, Pfeil und Bogen muss Dein Kopf also neu lernen um "treffen" zu können. Und bei eigenem Leibe habe ich bestätigt gesehen, was zuvor hunderte Ikonen der Daumentechnik sagten: Man schießt erst hunderte bis tausende Pfeile auf 2-3 Meter und arbeitet sich dann langsam hoch.
Jeder Vereinskollege, der mal meinen Reiterbögen und Daumentechnik ausprobieren wollte, hat konsequent 10-20° zu weit rechts geschossen. War bei mir auch nicht anders.
Das zu schräg schießen ist genug Feedback, dass man mehr üben und den Kopf umprogrammieren muss. Man lernt halt das Bogenschießen neu und muss hart zwischen mediterraner und anderen Techniken unterscheiden. So wie man eine Machete nicht wie ein Käsemesser verwenden kann. Sind beides Messer, müssen aber gänzlich unterschiedlich benutzt werden.
Also üb die Technik auf kurze Distanz und arbeite Dich für Präzision langsam nach oben auf weitere Distanzen. Konditionier Dich dabei neu und lerne die Ausrichtung von Bogen, Pfeil und Hand zum Ziel, damit Du beim Lösen auch treffen kannst.
Weiteres:
Der Ankerpunkt macht da auch einiges aus. Daumentechnik und Anker am Gesicht bei außen aufgelegtem Pfeil bedeutet rein geometrisch bereits ein Schuss nach rechts (Rechtshandschütze angenommen). Viele Reiterbogenschützen strecken daher ihren Zeigefinger am Bogengriff aus, den sie als Zielhilfe verwenden. Jeder findet da irgendwie seinen Weg, man muss es nur lernen.