Archers Campfire

Erfahrungsbericht: DK-Bow Tyrfing Carbonschäfte


Offline Gartenpinguin

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Moin liebes Campfire,

ich wollte kurz meine Erfahrungen mit den Tyrfing Schäften von DK-Bow mit Euch teilen.
https://dkbow.de/DK-Tyrfing-Carbon-Arrow-ID-5.2/418

Falls jemand die nicht kennt: Es sind die leichtesten Schäfte mit einem Innendurchmesser von 5.2mm (0.204") auf dem Markt. Das besondere ist auch die weite Spanne, die bis 1100 Spine geht (bisher einmalig auf dem Markt!).
Da ich wegen einer Schulterverletzung von knapp 40 lbs auf dem Bogen auf 20 lbs runtergegangen bin, habe ich mich entschieden diese Schäfte mal auszuprobieren.


Infos zu den Schäften

Zunächst habe ich mit einer Geradheit von 0.006" jeweils 3 Schäfte mit folgenden Spinewerten gekauft: 1000, 900, 800, 700 und 600.
(Ich habe gerne einen Satz Testpfeile in verschiedenen Spinewerten da).
Die Schäfte sind vergleichsweise dünnwandig, anders wäre das geringe Gewicht auch nicht zu erreichen.
Sie kommen ab Werk in 33 Zoll Länge.

Überrascht haben mich die Abweichungen von den Herstellerangaben:

1000 Spine: Soll 3,79 GPI haben, haben real 3,11±1 GPI, Δ ≈ 0,65 GPI, n=3
900 Spine: Soll 3,78 GPI haben, haben real 3,44±1 GPI, Δ ≈ 0,34 GPI, n=3
800 Spine: Soll 3,90 GPI haben, haben real 3,72± GPI, Δ ≈ 0,20 GPI, n=3
700 Spine: Soll 4,48 GPI haben, haben real 3,93±1 GPI, Δ ≈ 0,55 GPI, n=3
600 Spine: Soll 4,95 GPI haben, haben real 4,71±1 GPI, Δ ≈ 0,22 GPI, n=3

Insbesondere bei den 1000 und 700er Schäften hat mich die Abweichung von den Herstellerangaben sehr überrascht.

Nach einer Testphase habe ich nochmal die 1000er Schäfte für meinen 20 lbs Bogen in 0.001" Geradheit gekauft, mit ähnlichem Ergebnis:
3,01±1 GPI statt 3,79 GPI, n=12.
Auf 33 Zoll Länge macht das 25 grains (ca. 1.5 Gramm) Unterschied aus!


Infos zu Protektorringen

Protektorringe sind bei mir immer ein großes Thema. Ich verwende sie gerne.
DK-Bow hat eine Tabelle mit Empfehlungen und verkauft eigene Protektorringe für die Schäfte:

600    6,13mm, real passen 6,05 am besten, 6,13 ist schon recht locker
700    6,02mm, real passen 5,90 am besten, 6,00 ist schon etwas zu locker und 6,02 erst recht
800    5,90mm, real passen die 5,90 ganz gut
900    5,90mm, real passen die 5,90 ganz okay
1000    6,00mm, real passen die 5,90, sind aber deutlich zu locker

Das liegt unter anderem daran, dass die Außendurchmesser auch von den Herstellerangaben abweichen und die Schäfte dünner ausfallen. Das würde auch die Abweichung bei der GPI Angabe erklären.

Ähnliche Ergebnisse habe ich mit den Protektorringen von TopHat erzielt. Aber hier kommt nun der Twist:
Durch die Protektorringe von TopHat passen keine 5.2mm Komponenten hindurch! Also weder Spitzen, noch Inserts und auch keine Stecknocken.
Ich habe dafür mal ein Bild in den Anhang gepackt.
Spannend wäre noch zu wissen, ob die Ringe von Nijora und Bearpaw passen oder nicht.
Das lustige ist, dass auf der Website von DK-Bow bei den Protektorringen oben das Logo von TopHat thront. Dennoch sind die Ringe gänzlich unterschiedlich.
Auf meine schriftliche Anfrage hin, wo dieser Unterschied herkäme und inwieweit TopHat da involviert sei, gab es keine Antwort. Telefonisch wurde ich gebeten eine E-Mail dazu zu schreiben.

Bedeutet: Wer aktuell Protektorringe auf den Tyrfing Schäften haben möchte, MUSS die von DK-Bow kaufen.


Passende Komponenten

Die Spitzen, die DK-Bow zu den Schäften passend auf Lager hat, sind tatsächlich recht bündig abschließend mit dem Schaft.
Für Modularität mag ich jedoch Inserts. Die Inserts von den Easton Legacy 5.2mm (Easton Hit-Insert) passen super, haben aber keinen Flansch.
Die Nijora TaPco Inserts passen auch hervorragend, jedoch muss man sich dann mit dem speziellen 3mm Gewinde zufrieden geben, und dass es aktuell nur zwei Spitzen dafür gibt.

Die Stecknocken die DK-Bow ebenfalls verkauft, passen gut, jedoch sind die weißen anders zu den anderen (siehe Bild im Anhang)? Auch hierzu habe ich schriftlich nachgefragt und keine Antwort erhalten.
Am Ende bin ich jetzt bei Nijora Elsu Pro Nocken gelandet. Die sitzen SEHR stramm im Schaft, daher trage ich ein wenig Plastik mit einem Cuttermesser ab.


Der Vorteil von so leichten Schäften

Trotz der vielen Verwirrungen und Abweichungen von Herstellerangaben, fand ich die Schäfte am Ende überraschend gut zu schießen.

Meinen Antur Drogon Hybridbogen (58" #20) schieße ich mit 30 Zoll Auszug (#22 auf den Fingern).
Schaftlänge: 30.25 Zoll
Insert: Nijora TaPco 5.2mm mit 70 grains
Spitze: Nijora TaPco 40 grains
Protektorringe vorne: DK-Bow 5.9mm mit 7.5 grains
Nocke: Nijora Elsu Pro mit 11 grains
Federn: naturbefiedert, mit Tape geklebt und mit Garn gewickelt: 10 grains

Insgesamt habe ich also einen Pfeil der genau 15 Gramm wiegt (250 grains). Für einen 20 lbs Bogen mag das noch recht viel sein, ich dürfte sogar bis 9 Gramm bei dem Bogen runtergehen (6.5 GPP seien erlaubt).
Für so ein Leichtgewicht an Pfeil sind die 117.5 grains Spitzengewicht (in Summe) ganz schön viel (und könnte mit der anderen Spitze sogar 20 grains schwerer sein). Bei der 40 grains Spitze komme ich auf einen FOC von sagenhaften 20%!
Mit Protektorring hinten, einem Wrap und größeren Federn verschiebt sich das auf 17-18%.

Wer konservativer unterwegs sein möchte, kommt mit Standardkomponenten (60 grains Klebespitze, kein Protektorring) entspannt auf 170 grains (ca. 10 Gramm) runter und hat immer noch einen FOC von 12%.

Aber was soll ich sagen? 20% FOC zu schießen fühlt sich wahnsinnig gut an.
Auf dem 20lbs Bogen (22# auf der Hand) sind die Pfeile mit 250 grains 168 fps schnell. Die konservative Konfiguration mit 170 grains sogar 190 fps.


Fazit

Kann ich die Schäfte empfehlen? Ja, aber nur wenn das Geld locker sitzt.
Kann ich den Hersteller empfehlen? Nein. Dafür sind die noch zu neu im Bereich der Pfeilschäfte. Die Angaben sind stellenweise gänzlich falsch, die Website nicht aktuell und der David antwortet auf meine Fragen nicht.

Ich schieße zu 98% 3D und habe auch gerne schlechte Schüsse. Bisher gab es jedoch noch keinen Bruch.

Wem kann ich die Schäfte empfehlen: Schützen, die leichtere Pfeile oder einen höheren FOC haben wollen. Schützen, die schwache Bögen (16-24 lbs) schießen und dennoch "kompetitiv" bleiben wollen.


PS: Rechtschreibfehler sind Rudeltiere und dem 3D-Schützen zum Abschuss freigegeben.  :bow:
« Letzte Änderung: April 09, 2026, 04:23:31 Nachmittag von Gartenpinguin »
Rechtschreibfehler sind Rudeltiere und dem 3D-Schützen zum Abschuss freigegeben.  :bow:


Offline Waldgeist

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Ein sehr ausführlicher Beitrag, der einige Überraschungen offenbahrt! Besten Dank ! Dann mal weiterhin auch gute Genesungsfortschritte.   
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Offline Grombard

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Sehr ausführlicher Test.

Womit wurden die Gewichte denn ermittelt?
Wie groß war die Abweichung jeweils innerhalb der 3 gleichen Pfeile?
irgendwas is ja immer


Offline Bambus

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  • Ich bin Choleriker, zeig' es aber nicht ...
Wie siehts denn mit den realen, gemessenen Spinewerten aus? Stimmen die (wenigstens)?
Vielleicht fällt mir ja noch was ein...


Offline roscho

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Danke für diesen ausführlichen Bericht,
Bogenschiessen ist einfach, aber nicht leicht ;)

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Wir haben eine Gesellschaft erschaffen,
die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat."

* Albert Einstein



Offline Gartenpinguin

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Sehr ausführlicher Test.

Womit wurden die Gewichte denn ermittelt?
Wie groß war die Abweichung jeweils innerhalb der 3 gleichen Pfeile?


Das Gewicht habe ich mit einer Laborfeinwaage ermittelt. Auflösung auf 10 mg.
Die Gewichte lagen bei den 0.006" und 0.001" immer nah beieinander.
Methodik: Das Wiegen mache ich immer 5 mal pro Schaft und berechne den arithm. Mittelwert.


3x Tyrfing 1000.006 auf 30,25 Zoll Länge:
6,09 Gramm
6,08 Gramm
6,10 Gramm
Mittelwert: 6,09 Gramm
Delta: 0,02 Gramm

3x Tyrfing 900.006 auf 30,25 Zoll Länge:
6,79 Gramm
6,71 Gramm
6,73 Gramm
Mittelwert: 6,74 Gramm
Delta: 0,08 Gramm

3x Tyrfing 800.006 auf 30,25 Zoll Länge:
7,29 Gramm
7,28 Gramm
7,26 Gramm
Mittelwert 7,27 Gramm
Delta: 0,03 Gramm

3x Tyrfing 700.006 auf 30,25 Zoll Länge:
7,68 Gramm
7,71 Gramm
7,69 Gramm
Mittelwert 7,69 Gramm
Delta: 0,03 Gramm

3x Tyrfing 600.006 auf 30,25 Zoll Länge:
9,23 Gramm
9,23 Gramm
9,24 Gramm
Mittelwert 9,23 Gramm
Delta: 0,01 Gramm

12x Tyrfing 1000.001 auf 33 Zoll Länge:
6,44 Gramm
6,40 Gramm
6,48 Gramm
6,45 Gramm
6,43 Gramm
6,45 Gramm
6,46 Gramm
6,40 Gramm
6,43 Gramm
6,43 Gramm
6,42 Gramm
6,44 Gramm
Mittelwert 6,48 Gramm
Delta: 0,08 Gramm


Spinewerte konnte ich leider nicht nachprüfen, da mir dazu noch das Messgerät fehlt (sind ja auch Teuer diese Teile...).
Und wer sich in Messmethodik ein wenig auskennt, weiß, dass die kommerziellen Geräte kaum auf +/- 25 Einheiten genau sind.
Rechtschreibfehler sind Rudeltiere und dem 3D-Schützen zum Abschuss freigegeben.  :bow:


Offline Grombard

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Also in sich sehr stimmig? Knapp 1 grain Abweichung im Satz ist ja schon ziemlich wenig.
Aber irgendwie insgesamt zu leicht, wenn es bei Pfeilen, die besonders leicht sein sollen, ein "zu leicht" gibt.  :unschuldig:
irgendwas is ja immer


Offline Gartenpinguin

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Also in sich sehr stimmig? Knapp 1 grain Abweichung im Satz ist ja schon ziemlich wenig.
Aber irgendwie insgesamt zu leicht, wenn es bei Pfeilen, die besonders leicht sein sollen, ein "zu leicht" gibt.  :unschuldig:

Genau, ich sehe das so, dass die Schäfte sehr homogen und gleich sind, unabhängig von der Geradheit.
Es wird aber die Zukunft zeigen, ob die Qualität gleich bleibt, oder ob es je nach Charge Unterschiede gibt.

Da habe ich z. B. bei Penthalon Timberstick oder Nijora Bark mit teilweise 10 grains Abweichung andere Erfahrung gemacht.
Rechtschreibfehler sind Rudeltiere und dem 3D-Schützen zum Abschuss freigegeben.  :bow:


Offline Grombard

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Bin auch gespannt.
Ich habe einen Satz 800er Gungdir für meinen BB im Zulauf, die ich mit meinen brutalen 31# adF wohl um die 7gpp realisieren werden.
Mal sehen ob ich damit noch so gut gruppieren kann, wie mit den VAP, die bei Recht schweren 9gpp landen.
irgendwas is ja immer