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DiY Tester für Spine und Spline – MECHANISCH ANALOG

Online Daniel124

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Hallo Community,

nachdem ich hier doch auch schon von den DIYs profitiert habe möchte ich mal was zurückgeben.

Und zwar einen ultragünstigen und ehrlichen Schaft-Tester für Spine und Spline.

Warum so ein Ding?
Ich wollte einfach mal wissen wie es um die Angaben auf den Pfeilen und in den Werbetexten tatsächlich steht, ohne einen Haufen Geld dafür auszugeben. Und da ich als Mechaniker irgendwelchen Sensoren eher misstraue wurde das klassisch analog.

Nutzen / Messergebnisse
Vorneweg: Ich war entsetzt.
Die Pfeilsätze der Familie wurden durchgeprüft, und wo nicht Easton draufstand (die waren soweit passabel) habe ich 20-30% der Pfeile aussortiert. Streuungen von einer dreiviertel Spinegruppe hatte ich bei 12 St. 800ern. Fast eine halbe Spinegruppe bei 12 St. teuren 500ern. Ein anderer Schafttyp war obendrein im Durchschnitt eine halbe Spinegruppe weicher als der Nennwert.
Auch beim SpLine gab es Erkenntnisse: Schäfte mit gleich 2 weichen Seiten, Abweichung IM selben Schaft von einer viertel Spinegruppe, und selbst Schäfte mit 003er Rundlauf waren teils mistig.
Alus hingegen hatten immer Null SpLine, Null Spineschwankungen und auch immer genau den Spine wie angegeben. Seither schieße ich nur noch Alu.
Rohschafttests mit Carbonis (Familie, Freunde) mach ich nur noch im Rudel – wie soll man mit dem Wissen so einem einzelnen Schaft noch trauen?

Vorüberlegungen zum Bau
- Langer Zeiger für genaues Ablesen. Genaues, kompaktes Gewicht. Kugellager zum Drehen für den SpLinetest.
- Wie eicht man so ein Ding, bzw. wie stellt man die Skala her? Man braucht eine Lehre.
- Und zum Schluss: Messung via AMO oder ASTM? Weil ich auch etwas kürzere vorhandene Pfeile messen wollte hab ich mich für AMO entschieden, denn hier ist die Auflageweite nur 26“, bei ASTM sind es 28“.

Bau
- Den Bau an sich seht ihr an den Bildern.
- Material waren alles Reste: Regalbrett, Schaschlikspieß, gebrauchte Spax als Gewicht, usw.
- Man braucht eine lichte Weite von 26“ zwischen den Lagern. Die Lager habe ich schwenkbar gemacht, weil meine vorhandenen Kugellager waren Rollerblade Lager mit Innendurchmesser 8, und da hätte sich ein Schaft mit Drm. 7 Komma viel beim Durchbiegen verkantet. Und ich wollte dass der Schaft schön am Lager anliegt.
- Auf die Höhe muss man achten damit das Gewicht Platz hat.
- Und damit das Ding wenig Platz wegnimmt hab ich die Skala zum Abnehmen gemacht.

Einstelllehre
ASTM Spine x 0,825 ergibt die Durchbiegeung in AMO. Umrechnen in mm, und man hat die Durchbiegung für 500er, 600er usw.
Aus einem Holzklotz und einer Schraube entstand dann eine Einstelllehre. Die wird am nicht durchgebogenen Schaft „genullt“ und vermessen (Messchieber).
Nun kann man die Einstellmaße für die diversen Spinewerte berechnen. Dann die Schraube mit dem Messschieber auf die einzelnen Maße einstellen, einen beliebigen Schaft draufdrücken und den Zeigerausschlag auf die Skala übertragen.
Das klappt, die Überprüfung hat indirekt mit diversen Alus stattgefunden. Z.B. wenn Easton sagt der 2016er hat einen Spine von 530, dann zeigt das Teil genau das: 530.

Hab ich was vergessen?
Glaube nicht. Wenn aber doch, oder wenn jemand Fragen hat, nur zu, gebt Bescheid.

Zu guter Letzt
Da ich ja jetzt auf Alus umgestiegen bin brauche ich das Ding eigentlich gar nicht mehr  ;D
Doch, für Familie und Freunde schon noch.


« Letzte Änderung: August 19, 2022, 09:42:45 Nachmittag von Daniel124 »
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Online Daniel124

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Das Herstellen der Skala / Eichen
« Letzte Änderung: August 19, 2022, 07:46:24 Nachmittag von Daniel124 »
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Online Daniel124

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fertig zur Aufbewahrung
« Letzte Änderung: August 19, 2022, 07:29:59 Nachmittag von Daniel124 »
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Offline roscho

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Schöner Aufbau !
Und was deine Ergebnisse angeht, dem kann ich nur zustimmen: Easton mehr oder weniger top, der Rest mehr oder weniger Flop …

Bogenschiessen ist einfach, aber nicht leicht ;)

"Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk,
und der rationale Verstand ein treuer Diener.
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Offline BowLaw

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Daniel124 - ich habe zwar einen (nicht ganz so teueren) Spinemesser, aber ganz herzlichen Dank für den sehr ausführlichen Bericht zum DIY.
Da hat der Post ja fast nochmal länger gedauert als das zusammenbauen.
Sehr schön geschrieben und tolle erklärende Bilder!
Wie viel Abweichung im Spine (nur den messe ich bzw. kann ich messen) vorhanden sein darf ist sicherlich eine subjektive Angelegenheit nach Befinden und Schußfertigkeit.
Ich habe allerdings auch schon einmal einen kompletten Satz Pfeile zurückgeschickt, der war ein Graus.


Offline Clemens

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Sehr cooler Bau! Ich glaub den werd ich mir mal nachbauen - aber erst kommt noch ein Sehnengalgen dran (Anleitung von hier).

Zu den Abweichungen - ich hab bei meinen Pfeilsets (egal ob Fertigpfeil oder selbst gebaut) immer wieder mal richtig krasse Ausreißer an den selben Pfeilen erlebt. Ich freu mich schon die auszumessen. (Um dann festzustellen dass es vermutlich Lösefehler/Ankerfehler/etc. waren :unschuldig:)
Ich habe vor kurzem hier erst etwas zur Spinetreue von Easton und Victory VAP gelsen und für mich erstmal entschlossen dass die VAPs bei meinem derzeitigen Pfeilverschleiss nicht in Frage kommen. Die Eastons werd ich aber mal in Betracht ziehen.



Offline Polaris

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Danke fürs Zeigen und den Baubericht..  :yes:
Gruß und Ahoi Peter..

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Online Daniel124

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Habe gerade gesehen dass mein Einstellklotz für den 700er Spine falsch beschriftet ist, nämlich gleich wie der 800er.
Für Nachbauer hier die korrekten Durchbiegungsmaße:
ASTM Spine  = AMO in mm
    500                     10,5
    600                     12,6
    700                     14,7
    800                     16,8
    900                     18,9

@ Clemens:
Wir haben jetzt schon 2x den Easton Legacy Carbon verarbeitet. Auch hier gibts Spine-Toleranzen, aber nur so eine Viertel Spinegruppe. Und auch SpLine, aber deutlich weniger als bei anderen Marken dieser Preisklasse. Und 1x den Axis trad., der war auch i.O., und hatte noch weniger SpLine als der Legacy.
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Offline Kreta

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Erstmal super was du da gebaut hast. Alle Achtung!

Ich häng mich bei diesem Thread mit einer Frage an, welche Grösse der Kugellager  für einen einfachen spline tester für 4,19mm Schäfte Sinn machen würde aus deiner/eurer Sicht. Ich dachte an 6mm Innendurchmesser.

Ein Nachbau würde mich reizen, weiss aber nicht, ob ich das zusammenbringe. Wieviel hat denn dein Gewicht mit den Schrauben?

Ganz liebe Grüsse aus Kreta

Erik


Online Daniel124

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Ich denke die Größe der Kugellager ist ok bis 10 mm Innendurchmesser, unabhängig vom Schaftdruchmesser.
Und das nur zur Ermittlung des SpLine, für den Spine brauchts gar keine, da würde eine V-förmige Aufnahme reichen.

Und das ganze Ding kann ruhig bastelmäßig sein, das braucht keine besondere Präzision, außer für die Lehre zum Herstellen der Skala, und das ist machbar, und die Zeigerlagerung sollte nicht allzu viel Spiel haben, und mittig sein.

AMO (Auflageabstand 26") wird mit 2 lbs gemessen, = 907 Gramm.
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Offline Kreta

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Habe gerade gesehen dass mein Einstellklotz für den 700er Spine falsch beschriftet ist, nämlich gleich wie der 800er.
Für Nachbauer hier die korrekten Durchbiegungsmaße:
ASTM Spine  = AMO in mm
    500                     10,5
    600                     12,6
    700                     14,7
    800                     16,8
    900                     18,9

@ Clemens:
Wir haben jetzt schon 2x den Easton Legacy Carbon verarbeitet. Auch hier gibts Spine-Toleranzen, aber nur so eine Viertel Spinegruppe. Und auch SpLine, aber deutlich weniger als bei anderen Marken dieser Preisklasse. Und 1x den Axis trad., der war auch i.O., und hatte noch weniger SpLine als der Legacy.

Um die Tabelle noch zu ergänzen:

Für 1000 sind es 21 mm Durchbiegung und für 1100 23,1mm

Der Amo in mm Umrechnungsfaktor ist 39,2857143

Lg



Offline Stringwistler

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  • Der Bogen schießt... aber die Sehne trifft...
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Handwerklich bestens ausgeführt, würde ich mal sagen und danke für die super Erklärung :yes: ;)
Zum messen für Spine und Spline völlig ausreichend. (mit dem neudeutschen Wort kann ich mal gar nix anfangen, ist für mich alles Spine, nur eben dann gedreht)
Habe mir vor Jahren auch so was ähnliches gebaut, nur mit Messuhr darunter und funzt ganz prima. macht halt auch immer etwas Arbeit da den Pfeil einzubringen und drehen, Gewicht hoch, wieder drehen Gewicht drauf usw.
Deshalb bleib trotzdem bei meinem Arrow Analyzer....geht nix drüber in Geschwindigkeit, Präzision und Speicherung/ Export der Daten in Excel... ich liebe ihn einfach..... :sabber:
Servusla, Gruß Guidl...

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