Archers Campfire

Archery 101, Tipps

Offline Ulrich

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An Tipps fehlt es nicht, wie man sozusagen über Nacht besser trifft (nach jahrelangen fruchtlosen Bemühungen). Ich weiss natürlich: Wenn das alles bei jedem funktionieren würde, gäb`s nur Meisterschützen.

In diesem Video behandelt Greg mentale Aspekte und bezieht sich auf Rick Welch und Joel Turner.

1. Nicht gleich schiessen, sondern eine Sekunde halten. Frei nach Greg gibt dies genügend Zeit, um mental runterzufahren und führt zu Punkt 2...

...2. "Was habe ich gedacht?" Sozusagen also über sein eigenes Denken nachdenken. Hab`s versucht. Geht nicht. Beim Versuch schaltet sich bei mir das Denken ab. Absturz. Dafür
        nehme ich Körper und Zielbild intensiver war. Die Welt scheint stillzustehen.

3. Nicht bewusst lösen, sondern es geschehen lassen. Hat man so schon gehabt.

Der zweite Punkt scheint durchaus interessant und wirkt sich bei mir durchschlagend aufs Treffen aus. Leider weiss ich, dass sich solche mentale Tricks abnutzen können. Aber als Reset- Programm, für den Fall, dass es mal nicht so läuft wie es sollte?

https://www.youtube.com/watch?v=_zkqDE5tFn8
Wie immer gilt hier: dies ist der neuste Stand des Irrtums


Offline slowmo-nocker

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Moin Ulrich,

zu Tipp 2:

Die Frage "Was habe ich gedacht?" stellt Joel Turner. Die ist aber rhetorisch und steht immer am Anfang seiner Kurse. Die allermeisten Schützen können die Frage nicht beantworten. Ich selbst fand die Frage auch ziemlich merkwürdig und hatte nicht den blassesten Schimmer, an was ich beim Schuss denke. Die Frage ist deshalb bei ihm rhetorisch, weil es unwichtig ist, was du bisher beim Schuss gedacht hast. Seine Methode basiert unter anderem auf einer strikten und voll konzentrierten Gedankenführung während des Schussablaufs. Diese Gedankenführung funktioniert durch ein immer gleiches "Mantra". Ich finde den Begriff wegen seiner religiös/ spirituellen Aufladung ein bisschen überzogen, habe aber auch keinen besseren. Vielleicht trifft "Verbalisierung" die Sache auch ganz gut. Neuralgische Punkte bzw. relevante Phasen der Bewegung werden mit immer der gleichen Selbstanweisung sprachlich begleitet, um die Konzentration aufrecht zu erhalten. "Draw back and aim!", wäre so eine Selbstanweisung zwischen Anheben und Ankern. Die kann aber für jeden Schützen individuell etwas verschieden sein, weil ja nicht alle Schützen auf Englisch schießen, oder weil die Bewegung von der Länge oder der Intensität andere Worte braucht, die treffender sind.

Im Idealfall beobachtet man also während des Schussablaufes sein Denken nicht besonders. Also nicht mehr, als man auch im Normalfall auf das achtet, was man spricht. Die gesprochenen Worte/ Gedanken (eher lautlos, weil sonst der Atemrhythmus flöten geht) sind das "Werkzeug" um die Konzentration auf die Bewegungsabläufe bei der Stange zu halten. Wenn man sein "Mantra" mit den Bewegungsabläufen in Einklang gebracht hat, "spricht" man irgendwann immer das gleiche beim Schießen. Auf die Frage "Was hast Du gedacht?", könntest Du dann antworten "Immer das selbe!" Nur wenn Du immer das selbe denkst, wird die Bewegung auch immer gleich sein. Joel Turner spricht in diesem Zusammenhang von einem "mental blueprint", einer mentalen Blaupause, nach der sich der Schütze in Gedanken, Worten und Handlungen richtet.

Ach ja, hört sich alles easy-peasy an. Ist es aber nicht. Man ist so verdammt schnell abgelenkt, schneller als man blinzeln kann.

Gruß Dirk


Offline vielevielegoldene

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"Nur wenn Du immer das selbe denkst, wird die Bewegung auch immer gleich sein"

Das Problem daran wäre nur, dass sich die Sportler von Phase zu Phase ändern, Tage, Wochen, Monate. Spezielle Gedanken, Worte oder Mantras etc. wie auch in http://www.educatium.de/bogenschiessen-mental/   aufgeführt sind bestimmt hilfreich, aber manchmal muss man sich pushen, manchmal herunterfahren, sichern, festigen, sammeln, etc., so dass ich auf mehrere Werkzeuge komme, je nach Verfassung.

Machen wir doch daraus:

Nur wenn Du immer dasselbe Passende denkst, wird die Bewegung auch immer gut und gleich sein.

:)









Offline Ulrich

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Sowohl als auch. Ich denke da an die Unterscheidung von Technik-Training und "Ernstfall".
Wenn`s drauf an kommt, darf man die Gedanken nicht schwirren lassen wie Mücken in der Abendsonne. Entscheidend ist im Augenblick vor dem Lösen, dem Moment höchster Konzentration, der mentale Trigger, der den bewusst nicht steuerbaren Ablauf (genaue Ausrichtung und Lösen) einleitet.

Im Techniktraining geht es eher darum, Fehler zu erkennen und auszubügeln und das innere Reden entsprechend anzupassen. Das neue "Mantra" wird man wohl auch übernehmen, wenn man treffen will, wenigstens so lange, wie es zweckdienlich ist.

Ich das grad so erlebt: Ich habe fürs Üben den ersten Bogen wiederbelebt, den ich geschnitzt habe. Zum schlaffen Haselnussbogen passen überlange Holzpfeile, die beim geringsten Fehler ins Trudeln kommen. Dabei habe ich bemerkt, dass das Trudeln mit dem Rupfen am Ringfinger einhergeht, dies, obwohl ich die Finger immer bewusst platziere.

Bevor es sich löst, denke ich jetzt an den Mittelfinger und daran, dort den Druck etwas zu erhöhen. Damit ist der Ringfinger aus dem Schneider.
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Offline Frank T.

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Moin,

ich habe die Ausführungen von Joel Turner in you tube so verstanden, dass er ein sehr bewusstes Schießen propagiert. Das finde ich auch soweit gut. Ich bin auch eher Systemschütze. Allerdings nach dem Anker und dem Transfer (Ellbogen hinter den Pfeil, Zugschulterblatt Richtung Wirbelsäule) hört bei mir immer das Bewusste auf, egal wie ich mich auch konzentriere. Habt Ihr da einen Trick/Trainingsansatz?

Viele Grüße

Frank


Offline Ulrich

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Ich denke, das ist auch richtig so. Das Lösen und die genaue Ausrichtung des Pfeils im Moment des Lösens können bewusst nicht gesteuert werden. Versucht man es trotzdem, drohen Kollaps oder Rupfen an der Sehne.

Sehr empfehlenswert diesbezüglich ist dieser Vortrag von Tom Clum (ich wünschte, es gäbe etwas gleichwertiges in deutscher Sprache, das man verlinken könnte).

https://www.youtube.com/watch?v=nr3F96kqv9k&list=PLilZYIQSSVREq-twXdOJ7LCI8HCXeS_Jv
« Letzte Änderung: Januar 04, 2022, 07:54:34 Nachmittag von Ulrich »
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Offline Landbub

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Allerdings nach dem Anker und dem Transfer (Ellbogen hinter den Pfeil, Zugschulterblatt Richtung Wirbelsäule) hört bei mir immer das Bewusste auf, egal wie ich mich auch konzentriere. Habt Ihr da einen Trick/Trainingsansatz?

Das bist du bewusst am Zielen. Das geht nicht unbewusst. Instinktuive mal ausgenommen.
Das ist das, wo der Recurve Schütze die Kontrolle an den Clicker übergibt und der Compoud Schütze Kraft gegen wie Wand aufbaut für den Surprise Shot.
Was genau möchtest du anders haben?
derzeit aktiver Bogenkram:
Compound: PSE SupraFocus XL, SpotHogg, Shibuya & Viper Scope, TruBall Blade Pro / Carter 2Moons , Arctec
Blankbogen: WW InnoMax, WW WiaWis NS Graphene,  Shibuya Button, Zniper Rest
Traditional: SpiderBow Vultur 25" ILF "Vorderegger Edition", Uukha VX1000, Superrest