Archers Campfire

Warum knallt der Bogen (Pfeil?)

Offline Joker

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Wie bist Du denn eigentlich auf die Idee gekommen, bei einem 70" Bogen diese niedrige Standhöhe zu nutzen?

Ganz ehrlich?
...i weiss nimmer...
gedanklich noch bei 68" ?
Tabelle falsch interpretiert ?


Ich kann Dir noch eine weitere Optimierung dringend empfehlen. Statt der 10 Strang flämisch gespleißten Sehne solltest Du für Deine Bogenausrüstung eine endlos Sehne zu nutzen. Je nach Bogensehnengarn aus der DSM Dyneema Typenfamilie SK75 /78 sollte diese bei einer Strangzahl von ca. 16 - 18 liegen.
Gruß

also flämisch deswegen, weil ich das letztens mal probiert habe...
und gleich für sämtliche Bögen Sehnen und Ersatzsehenen gezwirbelt hab..

10 Strang deswegen, weil ich vom Fachmann den Tip bekommen hab, die Dyneema von Flex seien etwas dicker und somit passen die 10 Strang auch (statt 12)...

Endlossehnen werd ich demnächst mal angehen...  da meine Wickeleien für´ s erste aber recht brauchbar scheinen, werde ich das vermutlich schaffen...
und dann werden die olympics damit ausgestattet..
aber, eigentlich nur als Machbarkeitsstudie...

ich hab hier und auch anderswo schon öfters gelesen, dass die Unterschiede nicht so gravierend seien, dass wir (oder zumindest ich) Hobby-Schützen das merken würden...
WENN eine flämisch etwas "verzeihender" ist, so soll es mir (Anfänger) nur recht sein...

aber was sind deine Argemente für Endlos und für so viel Stränge (bei 22#)...?
Danke!!


Wobei ich letztens irgendwo einen Bericht gefunden hab (von dem Techniker des Olympia-teams, oder so) der ebenfalls für dicke Sehnen plädierte.. und dessen Erläuterungen ich folgen konnte...


lg Stefan


« Letzte Änderung: Mai 31, 2021, 10:24:34 Nachmittag von Joker »


Offline von Hermannsburg

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Ja, Stefan, das ist beine gute Frage, warum bei Deinem Bogenequipmet eine endlos Sehne bevorzugt werden sollte.
Der Bogen ist ein technisch sehr anspruchsvolles Sportgerät. Auch der von Dir genutzte Recurvebogen enthält Hilfsmittel wie Klicker, Button, Stabis etc. wobei alle Komponenten in zu den Wurfarmen, zum Mittelteil und zur Sehne in einer funktional passenden Weise zusammenwirken müssen.  Bis auf die Sehne haben alle anderen Konmponenten einen Festkörper, sind definiert über Geometrie, Metallart, Guss- oder Frästeil (Mittelteil), Materialkomposition,Recurveausprägung, Biegekraft, Zugstärke(Wurfarme) Materialart,  Spine- und Splinewert (Pfeile) und haben festgelegte Werte, die allesamt im Bogenfachhandel beurteilt und erklärt werden können.
Nur bei der der BogenSehne ist das nicht der Fall. Da treten dann die ersten Erklärungsnöte im Bogenfachhandel auf. Typisches Beispiel hier-
für ist die Aussage, das Flex Garn ist etwas dicker , deshalb kannst Du  10 Strang für Deine Sehne nehmen.
Ich wette, der Bogenfachhändler hat Dir nicht die grundsätzliche Arbeitsweise einer Bogensehne für Deinen Bogensystem erläutert. Das erklärt auch, warum Du Deinen 70" Bogen mit einer viel zu niedrigen Standhöhe benutzt hast.
Es ist wichtig zu wissen, dass auf eine Bogensehne die gesamte Kraft / Stärke des Bogens einwirkt, wenn die Sehne aufgespannt ist und sich der Bogen im Ruhezustand befindet, und zwar bei Beachtung der im User-Manual empfohlenen Standhöhe.
Mit dem Einlegen des Pfeiles und dem Auszug bis zum Ankerpunkt entlaste ich die Sehne, baue aber in den Wurfarmen  Energie auf.
Mit dem Lösen des Pfeiles wird die Sehne mit dem eingenockten Pfeil durch das Zurückschnellen der Wurfarme beschleunigt und gibt den Pfeil bei Erreichen der Standhöhe frei. Der weitere Zug der Wurfarme  auf die Sehne überträgt  dann schlagartig die volle Bogenkraft auf die Sehne, der Bogen ist wieder in der Ruhestellung.
Da der Pivot Punkt des Bogens nicht genau in der vertikalen Mitte des Bogens liegt, aber die gleich Kraft auf beide Wurfarme übertragen werden sollte, erhalten die Wurfarme einen unterschiedlichen Anstellwinkel ( bekannt als Tillermaß).
Bei einer zu niedrigen Standhöhe schwingt die Sehne über die optmale Standhöhe Richtung Pivot Punkt durch, die Wurfarme schlagen unverhältmäßig stark auf die Sehne, was dann zum sogenannten Knallen des Bogens führt.
Und nun zu der Frage: Sehne flämisch gespleißt oder endlos gewickelt.
Aufgrund der zuvor erklärten Arbeitsweise der Bogensehne kannst Du Dir jetzt vorstellen, dass die flämisch gespleißte Sehne aufgrund der Wickeltechnik sich stärker verzieht, nachgiebiger ist und dadurch nur eine  reduzierte Ernergie auf den Pfeil überträgt.
Eine endlos Sehne, die sauber gewickelt ist, alle Stränge gleichbleibend stark auf den Sehnengalgen gewickelt sind, überträgt die Bogenkraft volständiger auf den Pfeil, weil sie sich in sich nicht so stark verziehen (nachgeben) kann.
Den Zustand eines höheren Verzuges in sich bei der flämisch gespleißten Sehne nutzt man deshalb gern für Bögen, bei denen die Wurfarme bzw. Tips die höhere schlagartige Ernergieabgabe nach dem Lösen des Pfeiles auf die Wurfarme nicht vertragen.
Die Meinung  Deines Bogenfachhändlers, dass eine flämisch gespleißte Sehne fehlerverzeiender reagiert, ist nicht falsch. Leider beeinträchtgt sie die Leistungsfähigkeit Deines Bogens (das würde ich als Neuling in deisem Sport nicht wollen) und verhindert auch, dass Du Deine zu Beginn häufig auftretenden Fehler nicht abstellst.
Und noch ein Hinweis zu Garnstärken, Strangzahlen, Festigkeitswerten etc. zu Bogensehnengarnen. Es gibt hier in diesem Forum eine Übersicht Stand April 2020 aller handelsüblichen Bogensehnengarne. Schau mal rein.
Gruß
Manchmal verliert man und manchmal gewinnen die Anderen