Archers Campfire

Muskulatur für ausdrehen des Bogenarms

Offline Mercenario

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Hallo zusammen.
Wende mich jetzt mal mit meinem „neuen“ / alten Problem an euch.
Und zwar folgendes, habe Pandemie bedingt im letzten Jahr sehr wenig geschossen und hatte vorher schon zeitweise das Problem was sich durch intensives Training zwar minimieren ließ aber nie ganz weg war wenn der Focus nicht genau drauf lag
Und zwar geht es um das ausdrehen des bogenarms. Es passiert wenn ich mich nicht genau darauf konzentriere Folgendes:
Ich schieße mit nicht komplett durchgestrecktem ausgedrehten bogenarm Ellenbogen und wenn ich löse überstrecke ich den Arm aufgrund des wegfallenden Gegendrucks komplett und der Ellenbogen dreht sich ein.
Dadurch bewege ich den bogen leicht im Abschuss nach links und der Pfeil geht nach rechts weg da ich ihn am Heck verreiße.

Nun frage ich mich ob es für die notwendigen Muskeln um diese Spannung im bogenarm zu halten evtl Übungen gibt die auch ohne schießen zu realisieren sind da ein Ende der Pandemie ja erst mal nicht abzusehen ist
Klar könnt ihr jetzt so argumentieren leichteren bogen nehmen etc. aber ich kann hier halt nirgendwo vernünftig schießen im Moment darum würde ich gerne anders Muskeln dafür aufbauen
Gruß Merc
--- Es geht doch nichts über ein ehrliches Stück Holz ---


Offline Red ll

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Guten Morgen Mercenario,

Da ich mich zur Zeit ebenso intensiv mit dem Bogenarm und der Arbeit und dem Feintuning mit demselben beschäftige, kann ich dir vllt einiges dazu sagen.
Grundsätzlich erfolgt die Stabilisierung des Bogenarms  hauptsächlich durch den Trizeps, der hierfür hauptverantwortlich ist. Zusätzlich zu den Muskeln des Schultergürtels und dem Deltamuskel, den man besonders dann spürt, wenn man den Bogenarm wirklich und richtig ausstreckt.
Ich habe dir dazu etwas angehängt, was ich aus dem Buch „ Inside the Archer“ von dem großartigen Kisik Lee, nachdem ich genau und intensiv trainiere, abfotografiert habe.
Der Trizeps wird sehr intensiv mit den leidigen, langweiligen und anstrengenden Liegestützen trainiert, das ist die effizienteste Art, und stärkt natürlich auch noch alle anderen für das Schußtraining beteiligten Muskeln. Es reicht durchaus, diese nicht extrem , sondern erhöht, gegen einen Tisch zum Beispiel und sehr konkret auf den Bogenarm zu beziehen. Es geht ja um eine Festigung, um Training, nicht um Bodybuilding.
In dem neuen Bogensportmagazin sind viele Therabandübungen des Bundeskaders aufgezeigt, die ebenso förderlich, wie auch einfach durchzuführen sind. 15 min täglich oder im Turnus, sollten ausreichen. Ich trainiere zusätzlich, allerdings bin ich ziemlich sportlich, mit einem 25kg Gummiband den Bewegungsablauf, des Streckens und des im Bogen stehens.
Auch trocken Übungen mit dem Bogen können sinnvoll sein, aber nur dann, wenn der Schußzyklus 100 % tig steht, sonst trainiert man auch trocken falsch.
Krafttraining ist leicht und erfordert lediglich eine Überwindung und zeigt schnelle Resultate.
Damit komme ich zum nächsten Punkt, den du am besten selbst beurteilen kannst. Die Haltung und dem Bewegungsablauf und wir „ gut“ und sicher und technisch effizient ist deine?. Hier kann man soviel falsch machen, das das, was du beschrieben hast, geradezu zwangsläufig daraus entstehen muss, bzw. könnte. Ein Fehler kann sich hier krass hoch potenzieren.
Essentiell ist das „ eindrehen“ des Bogenarms, so das du zu einer Knochen zu Knochen Struktur kommst, die dich , wenn du dich im letzen Moment der intensivsten Anspannung und Höchsten Konzentration befindest,  einen Moment vor dem ( nicht bewussten, sondern aus der Expansion resultierendem) Lösen, dazu befähigt „ im Bogen zu stehen“ wie  Kisik Lee das beschreibt.
Dann, wenn der Druck der zur Hälfte nach vorne zum Bogen und zu anderen Hälfte im Halten durch den Winkelzug zum Zugarm völlig in der Balance ist und man die mächtigen Bogenkräfte ausbalanciert hat. Der Moment der Ruhe.
Man kann das sehr genau spüren, den Moment an dem alles richtig ist, unabhängig davon, ob der Schuß trifft( was er natürlich am besten tut😊): Man kann dieses Körpergefühl trainieren, so daß man es einfach weiß, fühlt und spürt, vorausgesetzt die Technik ist richtig und rekapitulierbar.
Es ist ein auch ein  Haltungsproblem und ebenso kann es mit einer zu korrigierenden Griffposition und einem inkorrekten Einhaken Zusammenhängen, da alle diese Punkte, Griff und auch das Einhaken, die einzigen Bezugs- und Berührungspunkte sind die uns direkt mit dem Bogen verbinden. Sensibel und sehr stark unterschätzt, nötig sich ganz genau damit auseinander zu setzen.
Du kennst bestimmt die Übungen mit dem ausgestreckten Arm und der Hand im 45 grad Winkel an der Wand, um das ausdrehen zu üben.  Ich kann dir dazu nur wärmsten und immer wieder YouTube und die Form Series von Jake Kaminski empfehlen, der intensiv darauf eingeht, auch auf Krafttraining.
Haltungsdefizite sind weniger leicht zu korrigieren, alleine schwer ohne Spiegel, Video und Disziplin und vor allem ohne 100 te von Pfeilen in trial an error zu schießen um genau das zu kontrollieren und zu verändern. Und eben auch immer nur einzelne Komponenten, um dann wiederum zu testen, was war richtig oder falsch, ein bisschen wie Bogentuning, nur unendlich viel schwerer und nie fertig.
Technisch wirklich versierte Trainer zu finden ist, ich meine nicht die selbst Berufenen (was nicht falsch sein muss, es gibt da echte Kenner und Könner, möchte man nur Tipps bekommen)  je nach Stilrichtung sehr, sehr schwer ( kann da ein Lied von singen) und so bleibt oft nur dass Selbststudium, bei dem man sich leicht verhaspelt und zu dem man viel Zeit braucht und sehr streng zu sich sein muss.
Vllt konnte ich dir ein wenig Anregung geben.
LG
Karsten
Blankbogen: Gillo GT 27,5 Formula, Hoyt Velos Medium, Bogenlänge 70,5“, 44,7-48,7#@28-30“, Beiter Button, Zniper Rest, ACE 370


Offline Red ll

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Habe die erste Seite vergessen, dafür die zweite 2 mal🙄
LG
Karsten
Blankbogen: Gillo GT 27,5 Formula, Hoyt Velos Medium, Bogenlänge 70,5“, 44,7-48,7#@28-30“, Beiter Button, Zniper Rest, ACE 370


Offline roscho

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Zitat
Ich schieße mit nicht komplett durchgestrecktem ausgedrehten bogenarm Ellenbogen und wenn ich löse überstrecke ich den Arm aufgrund des wegfallenden Gegendrucks komplett und der Ellenbogen dreht sich ein.
Dadurch bewege ich den bogen leicht im Abschuss nach links und der Pfeil geht nach rechts weg da ich ihn am Heck verreiße.

Ist durch die Muskelanspannung klar

Zitat
Nun frage ich mich ob es für die notwendigen Muskeln um diese Spannung im bogenarm zu halten evtl Übungen gibt die auch ohne schießen zu realisieren sind da ein Ende der Pandemie ja erst mal nicht abzusehen ist

Das gäbe es sicher - die kann die auch jeder Physio sagen, aber ich denke das ist der falsche Ansatz.

Ich bin da bei Red.
Durch die muskuläre Spannung wirst du immer eine Gegenreaktion aufbauen (ist beim Lösen ja nicht anders) - nur die Knochen zu Knochen Struktur  kann die langfristig helfen den Arm stabil zu bekommen.

Den sehr umfangreichen Ausführungen von Red ist aus meiner Sicht nichts hinzu zu fügen
Bogenschiessen ist einfach, aber nicht leicht ;)

"Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk,
und der rationale Verstand ein treuer Diener.
Wir haben eine Gesellschaft erschaffen,
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Offline perkolat

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Ich bin nicht sicher, ob ich das Problem richtig verstanden habe. Als ich früher sehr schnell auf hohe Zuggewichte gekommen bin, habe ich die Hand quasi im Handgelenk eingehangen, d.h. die Hand nach außen und das Gelenk nach innen gedreht. Dabei dreht sich dann der Ellenbogen etwas in die Sehnenbahn hinein. Das spart ein wenig  Muskelkraft, sorgte aber bei mir auch für einen intensiven Sehnenkontakt zum Unterarm/ Armschutz. Ich habe mir irgendwann angewöhnt die Hand gegenüber dem Gelenk gerade oder leicht nach innen gerichtet zu halten. Seitdem komme ich wesentlich besser klar und schieße meist ohne Armschutz. Das funktioniert zumindest für mich.


Offline Kickaha

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Dadurch bewege ich den bogen leicht im Abschuss nach links und der Pfeil geht nach rechts weg da ich ihn am Heck verreiße.

Das verstehe ich nicht. Der Pfeil liegt doch links am Bogen und müsste durch durch das Verreißen nach links auch nach nach links  abgelenkt werden?


Offline Ulrich

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Dadurch bewege ich den bogen leicht im Abschuss nach links und der Pfeil geht nach rechts weg da ich ihn am Heck verreiße.

Das verstehe ich nicht. Der Pfeil liegt doch links am Bogen und müsste durch durch das Verreißen nach links auch nach nach links  abgelenkt werden?

Bei mir tut er das auch, wenn die Schulterlinie nicht stimmt. Die freiwerdenden Kräfte ziehen den Bogen nach links, dito den Pfeil. Aber das Rezept ist immer das selbe: Statt Fehler kompensieren,  die Technik verbessern.
Kann man das nicht, ist der Bogen zu stark.
Wie immer gilt hier: dies ist der neuste Stand des Irrtums


Offline stöckchenschubser

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Zitat
Ich schieße mit nicht komplett durchgestrecktem ausgedrehten bogenarm Ellenbogen und wenn ich löse überstrecke ich den Arm aufgrund des wegfallenden Gegendrucks komplett und der Ellenbogen dreht sich ein.[/size]Dadurch bewege ich den bogen leicht im Abschuss nach links und der Pfeil geht nach rechts weg da ich ihn am Heck verreiße.[/color]



Du sollst aber den Arm strecken, nur nicht überstecken. Überstrecken dreht den Arm wieder ein.
Dann baust du keinen Gegendruck auf und brauchst wesentlich weniger Kraft, bzw. Muskelarbeit.
Schulter runter und der Druck/Last liegt auf Schulter- Rückenmuskulatur.
Dann kann der Arm entspannt ruhig stehen bleiben und das Handgelenk locker abfallen.


Mein Physio hat mir klar gesagt, die für bestimmte Situationen notwendige Muskulatur trainiert man am Besten, mit genau der Situation in der sie gebraucht werden.


Terraband geht, ja kann aber auch einfach den Bogen trocken ausziehen und ankern.
Da man nicht schießt, kann man sich ganz auf den Vorgang im Körper fokussieren.
« Letzte Änderung: Februar 15, 2021, 11:40:27 Vormittag von stöckchenschubser »


Offline camper454

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Moin zusammen,

gerade das Thema der Pandemie ist für uns alle sehr schwierig, gerade wenn wir Sportarten ausüben wollen, die zurzeit nicht möglich sind.

Trainingstechnisch kann ich mich nur @Red II anschließen. Ich führe die Übungen meist trocken durch, auch wenn mir dabei das Herz blutet und ich mich nach draußen sehne.. Ich würde allerdings ohne Gummiband anfangen um wirklich 100% richtig im Bewegungsablauf zu sein. Sonst macht die Übung vorne und hinten keinen Sinn.
Was bei mir auch geholfen hat, dass ich mehrere kürzere Einheiten am Tag gemacht habe und nicht 2 Stunden am Stück. So kannst du dich mehr auf die Ausführung konzentrieren und nicht auf die Erschöpfung deiner Muskeln.
Den zweiten Punkt, den ich in der Pandemie angepasst habe und jedem nur empfehlen kann ist die richtige Ernährung zum Sport.
Mein Arzt hat mir empfohlen bei mehreren Homeworkouts oder sportlichen Bewegungsabläufen ausreichend Magnesium zu  mir zu nehmen und auf Vitamine zu achten.
Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber mir gibt es Leistungstechnisch auch nochmal einen Push, wenn ich weiß, dass ich mich richtig und gut ernähre.. probiert es mal aus ;)
Mein Magnesium nehme ich immer in Form von Tabletten ein: https://www.sundt.de/c/magnesium/ .
Habt ihr damit schon Erfahrungen gemacht? Lasst es mich wissen 💪🏽

Ansonsten wünsche ich allen Gesundheit und dass wir alle schnell wieder raus können!

LG


Offline Erbswurst

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  • högschsde Konzentration!
Bei der Verbraucherzentrale u.a. Quellen kann man nachlesen, dass - bis auf junge Frauen im Alter von 14-18 Jahren und Alkoholiker - die benötigte Menge an Magnesium durch eine ausgewogene Ernährung hervorragend gedeckt werden kann. Nahrungsergänzungsmittel sind oftmals vor allem für die Wirtschaft gut, nicht so sehr für den eigenen Organismus.

Das gilt übrigens für sehr viele Mineralien, Vitamine und anderes Zeugs, nicht nur für Magnesium.

Hier noch ein Zitat von der Verbraucherzentrale, das steht symptomatisch für alles mögliche, nicht nur Vitamine...

"Aber auch wenn häufig anderes behauptet wird: Als sportlicher Mensch müssen Sie nicht befürchten, einen Vitaminmangel zu erleiden oder von sogenannten freien Radikalen überschwemmt zu werden. Durch einen gesteigerten Energiebedarf erhöht sich nicht zwangsläufig Ihr Bedarf an Vitaminen.

Lediglich bei Ausdauersportlern (Marathon etc.) kann der Vitamin-B1-Bedarf, der proportional zur Kohlenhydratzufuhr steigt, erhöht sein.

Ein Mehrbedarf an Nährstoffen kann von Sportlern problemlos durch größere Portionen aufgefangen werden. Schwierig wird es nur bei den Sportarten mit einer starken Gewichtskontrolle. Hier ist eine Ernährungsberatung hilfreich."/i]
« Letzte Änderung: Mai 07, 2021, 10:28:47 Vormittag von Erbswurst »
"Sei nicht heut' der und morgen der und übers Jahr ein weiß Gott wer.
Das, was du bist, sei durch und durch, nicht halb ein Vogel, halb ein Lurch!" H.Ibsen


Offline Kreta

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Ich habe ebenfalls einiges von Inside the archer mitgenommen. Allerdings hat manches auch nicht zu mir gepasst, da durch das übertriebene alles auf Linie bringen ich dann das wedge zu klein gemacht habe etc. Was folgte waren Schulterprobleme der Bogenhand Seite. Das heisst um es klar zu sagen. Ich habe die Bogenhand im Glauben alles richtig zu machen voll durchgestreckt und dann ausgedreht etc. Eine Stunde bei Kirsten Degenhardt und ich war geheilt. Seither schmerzt nichts mehr. Und es verreisst nichts mehr. War halt Glück so jemanden zu finden.

Es passt nicht alles was technisch so geschrieben steht auch zu jedem Körper will ich damit sagen.
Ich kann red da in einem Punkt absolut zustimmen. Im Endeffekt geht es um das Körpergefühl. Wenn sich mein Trizeps mit dem Lat dorsi und dem unteren Teil des Trapezius anspannt. Weiss ich - es passt. (Bogenhandseite)Der Schuss geht dann meist auch gut raus.

Fehlt dieses Gefühl dann hab ich beim Hinstellen schon was verbockt.

Hoffe du findest deine Haltung

Lg