Archers Campfire

Zum Umgang mit einem Holzbogen

Offline Hartl

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Ich kann mich den Ausführungen von Hartl weitgehend anschließen...

Nur bei dem Satz:
Zitat
Alle Hölzer haben eine höhere Zug- als Druckbelastbarkeit.

würde ich widersprechen...: Es gibt auch andere, z.B. Hainbuche.
Die hat ne super Druckbelastbarkeit, geht aber nur mit Backing...

Rabe

Ja da hast du recht !! :agree:  Zu schnell geschrieben, zu wenig gedacht.

streiche : Alle , setze : Die meisten


Offline Fliege0815

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Guten Abend.

Ich würde das Thema gern nochmal aufgreifen, da ich seit gestern der Stolze Besitzer einen Self Bow‘s bin. (Aus Hickory)

Vom Bogenbauer hab ich gesagt bekommen das ich die ersten 1000 Schuss nicht über 27 Zoll Auszug ziehen soll. (Hab einen 28 Zoll Auszug) Und ich solle wohl „nie“ Ankern.

Soweit ich jetzt hier alles gelesen habe ist das wohl nicht ganz so korrekt. Bzw. eher subjektiv.

Ist Hickory den auch so anfällig auf die ganzen Faktoren? Weil von dem Holz wurde hier nie geredet.

Wäre schon wenn mir auf diese Frage Jemand antworten könnte.

Gruß Benjamin


Offline Waldgeist

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Wenn der Bogenbauer Dir diese Empfehlung mit auf den Weg gegeben hat, dann würde ich dem folgen.
Holz ist kein totes Material; es ist vielmehr in der Lage "zu lernen". Dazu kann es durchaus vernünftig sein, wenn Du den Bogen nicht sofort unter Vollast/Vollauszug setzt, sondern ihn zunächst etwas geringer belastest. Kein Sportler würde aus dem Stand heraus d.h. ohne sich erwärmt zu haben full speed zu gehen. Dein Selfbow ist da nicht anders.
„Jeder Mensch kann irren, aber Dummköpfe verharren im Irrtum!“
Cicero


Offline Erbswurst

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Hier würde ich gern (teilweise) widersprechen. Holz ist kein Muskelgewebe, der Vergleich ist absurd.

Wenn ein Bogen nicht voll ausgezogen werden kann, ist er nicht vernünftig gebaut!

Hickory ist ein sehr gutes Bogenholz und wird seit Jahrhunderten verwendet. Es ist allerdings nicht so leistungsfähig wie etwa Eibe oder Osage, dafür ist es preiswerter und weniger kritisch bei der Verarbeitung. Ergibt aber bei passendem Design gut schießende Bögen.
"Sei nicht heut' der und morgen der und übers Jahr ein weiß Gott wer.
Das, was du bist, sei durch und durch, nicht halb ein Vogel, halb ein Lurch!" H.Ibsen


Offline Polaris

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Hier würde ich gern (teilweise) widersprechen. Holz ist kein Muskelgewebe, der Vergleich ist absurd.

Ich möchte auch ein wenig widersprechen... In den letzten Jahrzehnten habe ich den einen oder andren Bogen gebaut (meist aus einem Stück Holz) und natürlich auch geschossen.. Ein Bogen hält, oder hält eben nicht.. da man einfach nicht ins Holz schauen kann.. Warum sollte ein Bogen erst nach "so und so viel" Schuss seine volle Leistung entfalten können.. Wenn der Bogen gut gebaut wurde muss er es einfach aushalten, dass er von Anfang an sein volles Potential entfalten kann.... Nicht wenige Selfbower "wärmen" ihre Bögen nicht mal vor dem Schießen auf und die Bögen halten auch viele Jahre.

Und was Hickory betrifft.. Dieses Holz ist nicht besser oder schlechter als andere Hölzer.. Ich kenne Hickory Bögen die Osage und Eibe locker in die Tasche stecken.. Es liegt letztlich an der Qualität des Holzes und der Arbeit des Bogenbauers.. Das Problem ist, dass man hier in Germanien eben nicht immer das beste Material bekommt.. und viele "Nudeln" im Umlauf sind, die in irgendwelchen Kursen entstanden sind.. (womit ich nichts gegen Kurse sagen möchte)..

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass diese Meinung auf meinen Erfahrungen basiert und du letztlich selber entscheiden muss wie du deinen Bogen gebrauchst..






 
« Letzte Änderung: November 24, 2021, 06:04:39 Vormittag von Polaris »
Wenn der Bogen bricht dann schieße...



Offline Ulrich

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Meine bescheidene Erfahrung mit einheimischen Hölzern:
Hasel und Ulme müssen lang genug sein. Beide sind nur für ein flaches Profil geeignet. Beide zeigen String Follow. Haben sie sich einmal gesetzt, gibt`s über die Jahre kaum noch Veränderung.
Hasel ist kaum für Bögen über 30# geeignet (je mehr Holz dran, umso grösser die Gefahr von Stauchrissen).  Hasel wirkt beim Entspannen nach dem Gebrauch lahm. Die Rückstelleigenschaften von Ulme sind wesentlich besser.
Ahornholz gibt gute Bögen. Das beruht jedoch nur auf der Druckfestigkeit. Ich hatte zwei davon. Beide sind explodiert. Allerdings habe ich beide zu schnell getrocknet.
Milchorange schneidet in allen Belangen am besten ab. Das Holz ist allerdings teuer.
Wie immer gilt hier: dies ist der neuste Stand des Irrtums


Offline Burkhard

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Wenn ein Bogen nicht voll ausgezogen werden kann, ist er nicht vernünftig gebaut!



 mich würde da interessieren ob beim Bogenbauer auch eine Angabe bezüglich der Auszugslänge gemacht wurde. jeder Bogenbauer kann den Bogen indem er Bogenlänge und Auszug beachtet auf das gewünschte Zuggewicht tillern. das kann mit Sicherheit auch derjenige der dir den Bogen gebaut hat. von daher bin ich schon über diese Aussage etwas verwundert das der Bogen nur bis 27 " gezogen werden soll. und was ist ist wenn diese ersten 1000 Schüsse absolviert wurden. kann der Bogen dann auf 28 " gezogen werden. außerdem kannst du doch mit der Standhöhe, falls dir eine empfohlen wurde, einen Einfluss auch auf die Auszugslänge nehmen. dreh die Sehne etwas auf so das die Standhöhe geringer wird. so hast du dann beim Auszug bis 28 " dieselbe Bogengeometrie wie bei höherer Standhöhe bei 27 " Auszug. das gilt übrigens für alle Bögen, nicht nur für Selfbows oder Holzbögen. wer einen längeren Auszug hat kann die Standhöhe etwas verringern. mit kurzem Auszug kann sie etwas erhöht werden

  und Hickory ist übrigens ein sehr gutes Holz und für den Bau eines Bogens hervorragend geeignet. ich habe schon einige Bögen aus Hickory gebaut und jeder hat meinen Ansprüchen genügt. da brauchst du absolut keine Bedenken zu haben


Offline Polaris

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@ Ulrich.. deine Erfahrungen mit Hölzern in allen Ehren.. aber ich kann mich dem nicht anschließen.. oder besser, nicht vollends anschließen..



Das Profil muss zum Holz passen.. und nicht umgekehrt .. Ich meine das im Sinne von "Ich möchte einen "D" Profil ELB bauen, welches Holz nehme ich".. das kann daneben gehen.. Besser ist "Ich habe dieses Stück Holz, welches Profil passt".. Wo ist der Bogen im Holz.. Ich habe ELB Style Bögen aus Hasel gesehen, mit einem ausgeprägtem "D" Profil und Zuggewichten von weit über 30#.. das Holz hatte damit kein Problem.. Und Top Eiben, die während (und kurze Zeit danach) des Tillerns gebrochen sind..

Um wieder Topic zu werden... Sind Holz und Arbeit gut gewählt, braucht der Bogen kein "Praktikum".. 

Wie gesagt.. meine Erfahrungen mit gebrochenen und haltenden Bögen.
Wenn der Bogen bricht dann schieße...


Offline PG

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Ich habe verschiedene Holzbögen, 1 Osage, 1 Ahorn, 1 laminierten Bambus-Massa und 1 laminierten Eibe-Ahorn. Da ich mir das Systemschießen angewöhnt habe, kann ich leider auch bei Holzbögen nicht anders und ankere grundsätzlich 3sek+. Bisher hat keiner der Bögen ein nennenswertes Stringfollow oder an Zuggewicht verloren. Der Osagebogen ist inzwischen 11 Jahre alt, wurde von -15 bis +40°C geschossen und hat sich nie beschwert. Und sollte sich einer der Bögen eines Tages verabschieden, kann ich sagen, es war mir ein Spaß und eine Ehre, dich schießen zu dürfen.
Nergal 38,5#
Bodnik Mohawk Hybrid 35#
Marduk 40#
Osage Selfbow 40#
Ahorn Selfbow 40#
Bambus Massa 45#


Offline Fliege0815

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Wie lang ist denn der Bogen

Der Bogen ist 68“ lang und hat auf 28“ Zoll 40 Pfund.

Wie wurde gesagt die 28“ Zoll Auszug schafft er auf jeden Fall ohne bedenken. Nur er solle sich eben an die Arbeit gewöhnen. Deswegen erstmal nicht in „meinen“ vollauszug.


Offline Burkhard

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Das sind 172 cm. Der dürfte sogar einen längeren Auszug verkraften. Also mach es so wie dir geraten wurde. Ist zwar nicht zwingend notwendig meiner Meinung nach und mache diese 1000 Schüsse oder auch weniger und du wirst einen guten Bogen besitzen. Und sei versichert. Mit Hickory hsst du eine gute Wahl getroffen.