Wunderbare Aufstellung Gartenpinguin!!
In vielen Punkten stimme ich überein, möchte sie aber noch etwas weiter ergänzen.
Deine Einschätzung (sorry, ich bezeichne es mal als "Einschätzung") das die Reibkraft entlang des Pfeilschafts und entlang der Federn eine untergeordnete Rolle spielt, muss ich allerdings widersprechen.
Gartenpinguin konzentriert sich vornehmlich auf den Luftwiderstand als "Staudruck" und betrachtet deshalb richtigerweise sämtliche Flächen am Pfeil die senktrecht auf die Luftströmung stehen. Also die Querschnittsfläche der Pfeilspitze = Schaft und auch - und das ist besonders positiv hervor zu heben - die der Federn. Da würde man zwar sagen: die Federn sind doch so dünn... Aber Kleinvieh macht auch Mist, außerdem sind sie hoch und zumindest zu Dritt.
Und ich teile die Meinung das genau das es ist warum die Klobürsten-Flu-Flus doch so gut abgebremst werden. Hier wurde ja auch schon geschrieben das bei 6-fach Befiederung diese auch bewusst verwuschelt wird. Eben weil dadurch mehr Stirnfläche zum Vorschein kommt und seine Wirkung ausbreitet.
Die Formel für die Widerstandskraft der Federn kann erweitert werden:
Wenn eine Feder-Kante durch die Luft schneidet, heißt das, dass sie irgendwo anfängt aber auch das die Feder später auch wieder endet und auch dort eine Kante hat. der cw-Wert für die vordere und hintere Kante zusammen liegt zwischen 0,2 und 0,48, je nachdem wie "gerundet" die Kante selbst ist.
Fd
Federn = ρ/2 * c_w * A * n * v² wird zu 0,1 bi 0,24 * ρ * A
Kante * n * v². wobei n die Anzahl an Kanten ist.
Ich würde auch noch weiter unterscheiden:
Gartenpinguin hat die Pfeilspitze auf den Bildern in den Vordergrund gerückt.
Der cw-Wert so einer Spitze liegt vielleicht bei 0,1 womit die Widerstandskraft mit
Fd
Spitze = 0,05* ρ * Pi *(d
Spitze / 2)² * v² berechnet werden kann.
Da gibt es aber noch eine Fläche: die der Nocke, und deren cw-Wert ist, da sie nicht sehr aerodynamisch geformt ist, deutlich größer. Ich nehme mal 0,3 an wodurch
Fd
Nocke = 0,15* ρ * Pi *(d
Nocke / 2)² * v² hinzu kommt. (Die Nocke kann ja einen anderen Durchmesser haben)
Die Stirnflächen der Federn mögen zwar gering sein, aber vergleicht man die cw-Werte und beachtet noch die Anzahl an Stirnflächen, dann sollte man erkennen wie stark allein hier die Flu-Flu Federn wirken.
Da die Kanten sich im Luftstrom sicherlich zurück biegen, muss man die Stirnflächen auch als abhängig von der Geschwindigkeit v betrachten.
Was aber eben nicht zu der Stirnfläche gehört ist die auf Fotos zu sehende - da auch "projizierte" - Fläche die sich durch helical oder schiefe Klebung ergibt. Diese Fläche bewirkt im Flug dann zwar die Pfeilrotation, aber genau durch diese Rotation "schraubt" sich der Pfeil so durch den Luftstrom, dass wiederum nur die "echte" Stirnfläche der Feder zu diesem Luftwiderstand wirkt. (Eine Holzschraube schraubt man ja - wie der Name schon sagt - in ein Stück Holz. Sie wird nicht per Hammerschlag hinein getrieben!!)
Nun zu den Reibkräften die an den Flächen wirken, die parallel zur Luftströmung liegen:
Wenn die Nocke einen doppelt bis dreifachen so hohen Luftwiderstand erzeugt wie die Spitze, dann erzeugt die Luftreibung allein entlang des Pfeilschafts tatsächlich
das Vier- bis Fünffache von Spitze und Nocke zusammen. Und dementsprechend wirkt sich auch die Höhe und Länge der Federn aus.
Die Formel verändert sich zu
Fr
Schaft = ρ/2 * v² * Pi * Integral
0Schaftlänge(C
D * d
Schaft) dx
wobei C
D abhängig von der Reynoldszahl ist und sich zwischen laminarer und turbulenter Strömung unterscheidet:
C
D = 0,664 / Re(x)
0,5 für laminar und C
D = 0,0576 / Re(x)
0,2 bei turbulenter Strömung.
Da die Federn durchgehend sich in turbulenter Strömung befinden:
Fr
Federn = ρ/2 * v² * 2 * n * A
Feder * 0,0576 / Re(x)
0,2Quellenangaben:
The aerodynamic drag and axial rotation of an arrow
December 2011Proceedings of the Institution of Mechanical Engineers Part P Journal of Sports Engineering and Technology 225(4):199-211
DOI:10.1177/1754337111407124
Liston T.L. | Physical laws of archery
https://www.archeryguy.com/Books/Physical%20Laws%20of%20Archery.pdfHoerner S.F. | Fluid-Dynamic Drag
https://ia800606.us.archive.org/17/items/FluidDynamicDragHoerner1965/Fluid-dynamic_drag__Hoerner__1965_text.pdf