Archers Campfire

3D (nach DFBV) - Setup für Systemschützen


Offline parsec

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Gestatte mir davor noch ein paar Gegenfragen.
Ich habe mir zwar einen kleinen Unterschied zwischen zu kurz und zu lang geschätzt erwartet, aber eben kleiner als bei deinem Beispiel.
Wie kommt der zustande? Würde das bedeuten es ist besser wenn man immer eher kürzer schätzt?

Du hast sicherlich die Flugbahn mit Luftwiderstand gerechnet.
Wieviel Gain hat in der Rechnung der schnellere Pfeil? Auch 300gn?
Wenn ja dann war es wohl nicht puschels Intension auf einen anderen Bogen mit wieviel Pfund stärker (10-15??) zu wechseln.

Die Unterschiede zwischen den Pfeilen machen in deinem Beispiel 6 bzw. 9 cm aus, bei mehr als 15cm Fehler was allein das schätzen ausmacht. Meiner Ansicht nach verlieren sich die 6-9cm im der Streuung des Blankbogenschützen auf ~40m.


Offline Landbub

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Zuerst muss ich das korrigieren:

Gegeben: Ziel auf 40m
Pfeil mit V=190 fps und m=300gn

Schütze schätzt 36m statt der 40 und greift auch so ab:
Der Pfeil trifft die Scheibe auf 40m 25cm zu tief. --> eine 2 auf 6:00

Schütze schätzt 44m statt der 40 und greift auch so ab:
Der Pfeil trifft die Scheibe auf 40m 26cm zu hoch. --> eine 2 auf 12:00


Jetzt mit V=225fps  und m=300gn
Schütze schätzt 36m statt der 40 und greift auch so ab:
Der Pfeil trifft die Scheibe auf 40m 18cm zu tief --> eine drei (fast 4) auf 6:00

Schütze schätzt 44m statt der 40 und greift auch so ab:
Der Pfeil trifft die Scheibe auf 40m 20cm zu hoch. --> eine 3 auf 12:00

Wer jetzt daraus errechnen will, wieviel Ringe man sich auf dem ganzen Parcours damit erkaufen kann, muss berücksichtigen, dass bei Feldbogen 3 Pfeile und bei 3D 2 Pfeile geschossen werden, und ja nur der erste Pfeil "unbekannt" ist. Für den 2. oder 3. Pfeil kann man entsprechend korrigieren. Umso wichtiger ist es aber auch, dass der erste Pfeil auf dem Ziel steckt und nicht dahinter in der Botanik. Bei einem schlanken Reh auf den IFAA 40m schauts bei plusminus 25cm nicht so gut aus.

Die Konsequenz für Gelb (5&6) bei WA Feld:
Das Gelb der WA 80er Feldauflage hat einen Durchmesser von 16cm (8cm Durchmesser vom 6er Ring + oben und unten 4cm vom 5er Ring), also plusminus 8cm.
Um das Gelb mit einem 190 fps schnellen Pfeil zu treffen, muss ich die Entfernung ist=40m im Intervall von 38,8m bis 41,1m genau schätzen. habe also ein Schätzitervall von etwas gerundet von 2m

Gehen wir jetzt auf 225 fps:
38,3 bis 41,7m. Das Intervall ist also fast 3,5m gross. Das ist ca. 75% mehr.


Zu deinen Fragen:

Der Luftwiderstand wird eingerechnet (ja, quadratisch), allerdings auch mit der Unschärfe, hier nur die Stirnfläche zu berücksichtigen. Die chaotischen Verwirbelungen entlang des Schaftes, die für Reibung sorgen, bleiben unberücksichtigt, ich habe dafür noch kein Modell gefunden, welches diese in Abhängigkeit von V für mich nachvollziehbar berücksichtigt (Strömungsmechanik war nicht mein Lieblingsfach...). Da spielen dann Parameter wie "Glätte" eine Rolle, deren Werte nicht vorliegen. Zum einlesen:  Aerodynamic properties of an arrow: Influence of point shape on the boundary layer transition   ( https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1877705811009970 ) und einige in diesem Dokument genannte Quellen.

Der Modell-Pfeil ist identisch. Nur V wurde verändert. Macht man den Pfeil leichter, ändert sich nicht wirklich viel (bei gleichem V). Ob der Pfeil also schneller wird wegen geringerem Gewicht oder stärkerem Bogen ist nicht enscheidend. Ein gleich schneller schwerer Pfeil gruppiert etwas HÖHER. Er bringt ja auch ein wenig mehr kinetische Energie mit. Hätte der Pfeil 400 anstatt 300gn, was ein großer Unterschied ist, wäre er knapp 4cm höher am 40m entfernten Ziel. bei 220gn statt 300 bei gleichem V wäre er gute 2cm tiefer.

"Meiner Ansicht nach verlieren sich die 6-9cm im der Streuung des Blankbogenschützen auf ~40m."
Das ist richtig, ist aber in diesem Kontext kein Argument, da diese Streuung ja beinahe identisch über das ganze Schätzintervall auftritt und deshalb sich zufällig addiert oder subtrahiert.
« Letzte Änderung: Januar 25, 2026, 04:15:42 Nachmittag von Landbub »
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Offline rso

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...

Wer jetzt daraus errechnen will, wieviel Ringe man sich auf dem ganzen Parcours damit erkaufen kann, muss berücksichtigen, dass ... bei 3D 2 Pfeile geschossen werden, und ja nur der erste Pfeil "unbekannt" ist. Für den 2. oder 3. Pfeil kann man entsprechend korrigieren. ..


Sorry, Einspruch. So easy ist das mit dem Korrigieren nicht.
Ausgangspunkt der Frage ist 3D nach DFBV.
Da gibts sowohl 1-Pfeil (Hunter), 2-Pfeil (Doppelhunter) als auch 3-Pfeil Runden.
Im Gegensatz zu WA (DSB) haben die 2-Pfeil-Runden unterschiedliche Pflöcke und bei der 3-Pfeil-Runde haben gerade die weiten Schüsse (Kategorie 1 und 2) Walk-Ups.
Das verkompliziert die Geschichte etwas, da sich nicht nur die Entfernung ändert, sondern ggf. auch ganz wesentlich der Schußwinkel.
cu

Rainer


Offline Landbub

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Sorry, Einspruch. So easy ist das mit dem Korrigieren nicht.
Ausgangspunkt der Frage ist 3D nach DFBV.
Da gibts sowohl 1-Pfeil (Hunter), 2-Pfeil (Doppelhunter) als auch 3-Pfeil Runden.
Im Gegensatz zu WA (DSB) haben die 2-Pfeil-Runden unterschiedliche Pflöcke und bei der 3-Pfeil-Runde haben gerade die weiten Schüsse (Kategorie 1 und 2) Walk-Ups.
Das verkompliziert die Geschichte etwas, da sich nicht nur die Entfernung ändert, sondern ggf. auch ganz wesentlich der Schußwinkel.

... ach richtig. Walkups und so. Um so wichtiger ist es dass der erste und ggf einzige Pfeil dann auch da steckt, wo es die meisten Ringe gibt.
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Offline parsec

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"Meiner Ansicht nach verlieren sich die 6-9cm im der Streuung des Blankbogenschützen auf ~40m."
Das ist richtig, ist aber in diesem Kontext kein Argument, da diese Streuung ja beinahe identisch über das ganze Schätzintervall auftritt und deshalb sich zufällig addiert oder subtrahiert.
Genau weil es sich zufällig addiert oder subtrahiert, ist es aus meiner Sicht ein wesentliches Argument. Denn egal ob man nun zu weit, zu kurz oder exakt richtig schätzt, in allen Fällen kann sich die Streuung addieren oder subtrahieren, womit der "Gewinn" des schnelleren Pfeils eben nicht mehr relevant ist. So wie der Fehler durch eine Fehlschätzung auch von der eigenen Streuung mal vergrößert oder verringert werden kann. Nur das der Schätzfehler eben doch noch um einiges größer ist als der "Speed-Gewinn".
Ich verstehe schon das Argument das ein schnellerer Pfeil scheinbar im Durchschnitt näher am Wunsch-Zielpunkt landet. Aber das ist eben (aus meiner Sicht) ein Trugschluss, weil eben nur scheinbar.
Bei bergauf-Schüssen hat nämlich wie schon mal erwähnt, der langsamere Pfeil eben diesen "Vorteil".

Hätte der Pfeil 400 anstatt 300gn, was ein großer Unterschied ist, wäre er knapp 4cm höher am 40m entfernten Ziel. bei 220gn statt 300 bei gleichem V wäre er gute 2cm tiefer.
Anders gesagt, würde man einen leichteren Pfeil nehmen um mit demselben Bogen eine höhere Geschwindigkeit zu erreichen, würde der "Gewinn" in Deinem Beispiel doch schon etwas schrumpfen. Vielleicht nicht viel, aber doch. Natürlich ebenso wenn die Geschwindigkeitsdifferenz nicht so hoch wäre.

Bei dem Beispiel in dem anderen Forum trifft das eben so zu. Es wurde auf eine Distanz von 25 bis 35m ein 20gn leichterer Pfeil gerechnet der dadurch nur ~10 ft/s schneller geworden ist.
landbub hat dort glaube ich auch einen Account, kann sich also die Bilder dort ansehen:
https://www.bogensportwissen.eu/viewtopic.php?p=4411#p4411
Der "Gewinn" betrug in dem Beispiel bei 5m Schätzfehler stets weniger als 2cm bei einem Höhenfehler durch das Verschätzen von zumindest 12cm in der Horizontalen und bis zu 60cm bei (10%) bergab-Schüssen.

Es muss halt jeder für sich wissen wie stark die Pfeilgeschwindigkeit erhöht werden kann, wie groß die Schätzfehler auf diversen Distanzen und Höhenmetern sein werden und eben auch wie groß die eigene Streuung auf den Distanzen ist. Letzteres bekommt man nicht hin wenn man nur drei Pfeile pro Ziel im Parcours schießt. Da gehören schon mehrere Hundert Pfeile auf ausgewählte Distanzen dazu. Bis dahin bleibt es ein ewiges Streitthema.

Um so wichtiger ist es dass der erste und ggf einzige Pfeil dann auch da steckt, wo es die meisten Ringe gibt.
Da gehe ich vollkommen konform, nur das man diesen am ehesten durch korrektes Schätzen und dann korrekten (=kleine Eigenstreuung) Schussausführung dorthin bekommt, nicht durch Pfeilgeschwindigkeit.
« Letzte Änderung: Januar 26, 2026, 04:44:45 Nachmittag von parsec »


Offline Tegatana

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Kurze Gedanken meinerseits:

- die persönliche Streuung ist nicht relevant, solange sie "gleich" bleibt (ein Streukreis ums "Centerkill/ die 10" ist immer besser als derselbe Streukreis um einen Punkt x cm weiter oben/unten und wird durch die persönliche Streung keinesfalls negiert...)

- das Rechenbeispiel basiert, wie dem original Thema entnehmen kann, auf 27LBs. Das ist nicht gerade viel für Turnierschützen und die Diffenrenzen sollten grösser werden bei mehr Energie (um wieviel bleibt auszurechen)

- das Beispiel basiert auf Schätzfehler DIREKT um den IDENTISCHEN Nullpunkt beider Setups, also den Punkt wo die Flugbahn gerade eh identisch ist und die kleinsten Abweichungen passieren. Alle Schätzfehler weiter weg vom Nullpunkt haben einen vielfach grösseren Einfluss auf den Einschlagpunkt.



Offline BSCausBKK

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- das Beispiel basiert auf Schätzfehler DIREKT um den IDENTISCHEN Nullpunkt beider Setups, also den Punkt wo die Flugbahn gerade eh identisch ist und die kleinsten Abweichungen passieren. Alle Schätzfehler weiter weg vom Nullpunkt haben einen vielfach grösseren Einfluss auf den Einschlagpunkt.

exakt, es ging da um die DSB-30m-Distanz
bei den 50m Distanzen sieht es ganz gewaltig anders aus, da helfen mehr fps doch deutlich


Offline parsec

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- das Rechenbeispiel basiert, wie dem original Thema entnehmen kann, auf 27LBs. Das ist nicht gerade viel für Turnierschützen und die Diffenrenzen sollten grösser werden bei mehr Energie (um wieviel bleibt auszurechen)
Sorry, da hast du etwas im anderen Forum überlesen:
Zitat
Nein. Ich habe auf den Fingern 37lbs
Mein Setup besteht aus einem 23 Zoll Eigenbaumittelteil, Wiawis MXT10, eine Eigenbau Sehne 22strang BCY-X99 Endlos und einer Standhöhe von 21,5mm
Schaftlänge ist 27zoll
Basierend auf den Angaben dieses Schützen wurden dort die Kurven gerechnet.

- die persönliche Streuung ist nicht relevant, solange sie "gleich" bleibt (ein Streukreis ums "Centerkill/ die 10" ist immer besser als derselbe Streukreis um einen Punkt x cm weiter oben/unten und wird durch die persönliche Streung keinesfalls negiert...)
Ich habe auch nicht behauptet das es negiert wird. Aber es kann sich (statistisch gesehen) egalisieren. Natürlich haben diese hier betrachteten Höhenfehler einen Bias. Es kommt aber trotzdem auf die Größenordnungen von Fehler und Eigenstreuung an. Oder wenn es besser ins Denkmuster passt, vom Verhältnis zwischen Streuung und Fehler.
Der Fehler durch das falsche Schätzen der Distanz ist je nach Falsch-Distanz schnell mal deutlich größer als die Schützen-Streuung. Dieser Bias-Fehler ist leicht als solcher zu identifizieren, auch schon mit nur einem Pfeil. Denn der steckt schlicht und ergreifend viel weiter weg von dort wo man ihn (trotz) eigener Streuung erwartet hätte.
Nichts desto trotz hat man auch bei diesem "Fehlschuß" die eigene Streuung zu bedenken. Man kann z.B. die Distanz zu kurz geschätzt haben und landet tief. Gleichzeitig kann der Schuss innerhalb der Streuung mal etwas hoch gehen, aber es kann auch tief gehen. (und links und rechts  ;D )
Wenn dieses etwas Hoch und etwas Tief in der Größenordnung ist wie die Differenz zwischen langsamem und schnellem Pfeil, wird es nicht mehr so leicht zu unterscheiden ob der Speed ein Gewinn brachte oder ob die Streuung da mal in die bessere Richtung ausschlug.
So könnte es eben sein das ein Pfeil wegen seiner höheren Geschwindigkeit näher an das Kill heran kommt, aber gleichzeitig bei dem Schuss die Streuung den Pfeil weiter weg vom Kill leitet. Genauso anders herum, der langsamere Pfeil könnte beim entscheidenden ersten Schuss im Zuge der Streuung halt mal näher an das Kill gesetzt werden. Vergleicht man diese beiden möglichen Fälle, so könnten beide Pfeile an der gleichen Stelle sitzen. Demnach hat man nichts gewonnen.
Das meine ich damit, es hängt sowohl davon ab wie groß die Differenz durch die Pfeilgeschwindigkeit ist und wie groß im Vergleich dazu die mögliche Streuung des Schützen ist.
JA, mit ausreichend vielen Pfeilen kann man den Speedvorteil heraus sehen. Da rede ich aber von mehreren hundert Schüssen. Bei drei Pfeilen geht das nicht mehr und mit dem allerersten Pfeil schon gar nicht.
Die bessere "Taktik" um bei einem Turnier mit x-Anzahl an Schüssen ein besseres Ergebnis zu bekommen wäre: besser die Distanzen schätzen.

Im anderen Forum wurde das so ähnlich auch angesprochen:
Zitat
Diese hier gerechneten Punkte bilden im Idealfall die Mitte einer hypothetischen Pfeilgruppe ab.
Nimmt man eine bestimmte Streugröße eines IB-Schützen an, schaut die Sache nochmal anders aus:
In Wien ist das Limit für die Aufnahme in den Landeskader für IB männlich auf einen Achers Skill Level von 50 festgelegt.
Das heißt ein solcher Schütze hat auf 30m eine Standardabweichung in der Pfeilgruppe von 9,4cm. Diese Standardabweichung bedeutet, daß 40% der geschossenen Pfeile innerhalb eines Kreises mit dem Radius von 9,4cm einschlagen und 86% der Pfeile müssen in einen doppelt so großen Kreis hinein treffen.
Bei größeren Distanzen vergrößert sich klarerweise auch die Standardabweichung in cm. Mittels diesem Archers Skill Level von in dem Fall 50, kann man das für jede gewünschte Distanz umrechnen. Blankbogenschützen werden in der Regel einen höheren Skill Level aufweisen, d.h. die Pfeilgruppen werden kleiner sein.
Wenn man so will müsste man bei den Grafiken pro Pfeilgeschwindigkeit nicht nur eine Kurve einzeichnen sondern mindestens zwei oder eben vier um die Streukreise etwas darzustellen.
Wenn sich die Treffer-Bereiche die sich dadurch abzeichnen, von den unterschiedlich schnellen Pfeilen deutlich überlagern, dann ist es hoffentlich offensichtlicher das ein Speed-Gewinn innerhalb dieser Streu-Bereiche untergeht.

- das Beispiel basiert auf Schätzfehler DIREKT um den IDENTISCHEN Nullpunkt beider Setups, also den Punkt wo die Flugbahn gerade eh identisch ist und die kleinsten Abweichungen passieren. Alle Schätzfehler weiter weg vom Nullpunkt haben einen vielfach grösseren Einfluss auf den Einschlagpunkt.
Entschuldige, diesen Absatz verstehe ich nicht. Da stehe ich gerade auf der Leiter. Was meinst du z.B. mit "identischen Nullpunkt beider Setups"?
« Letzte Änderung: Januar 28, 2026, 11:03:31 Vormittag von parsec »


Offline Tegatana

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Sorry, da hast du etwas im anderen Forum überlesen:

[/endquote]

.. ah, da habe ich den Themenstarter und den Diskutanten mit verschiedenen Setups durcheinander gebracht, mea culpa...


Offline puschel

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  • ...es könnte schlimmer sein :)
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...
Das meine ich damit, es hängt sowohl davon ab wie groß die Differenz durch die Pfeilgeschwindigkeit ist und wie groß im Vergleich dazu die mögliche Streuung des Schützen ist.
JA, mit ausreichend vielen Pfeilen kann man den Speedvorteil heraus sehen. Da rede ich aber von mehreren hundert Schüssen. Bei drei Pfeilen geht das nicht mehr und mit dem allerersten Pfeil schon gar nicht.
Die bessere "Taktik" um bei einem Turnier mit x-Anzahl an Schüssen ein besseres Ergebnis zu bekommen wäre: besser die Distanzen schätzen.
...

Jetzt haben wir hier genau mein Problem eingekreist :)
Ich habe verschiedene Stellschrauben:
Ich kann Technik trainieren, um meinen persönlichen Fehler kleiner zu bekommen  :agree:
Ich kann das "Schätzen im Gelände" üben, damit ich besser schätze und mit weniger Abweichung in den ersten Schuß gehe  :agree:

Ich kann mein System dahingehend optimieren, dass mein Setup weniger Abweichung produziert. Bessere Pfeilauswahl und entweder ruhig, stabil und verzeihend ODER schnell und flache Flugbahn. Hier ist jetzt genau die Frage, welcher Ansatz hier mit der Vorgabe eines Schätzfehlers besser ist. Auf kürzeren Entfernungen bis 30m habe ich die Tests für mich inzwischen durch und es ist einfach egal, ob mein Pfeil 210, 235 oder 260 ft/s hat. Die "falsch abgegriffenen" Pfeile liegen maximal 1-2 cm auseinander.
Damit würde ich einen Haken an die Fragen zum DSB etc machen und dort definitiv die Pfeile nehmen, die auch ansonsten beim Scheibenschießen besser gruppieren.

Jetzt kommen wir zu den weiteren Distanzen, den damit verbundenen größeren Schätzfehlern und dem Einfluß von Winkeln.
Bei der Diskussion ist mir wichtig das wir nicht über GAP-Shooting reden, sondern über Stringwalking. Egal mit welchem Setup bin ich bis 55m immer mit der Spitze im Ziel und muss abgreifen. Und ja - die Winkel/Abzüge sind bei größeren Entfernungen auch ein Faktor.
Die ausreichende Grundgesamtheit nehme ich auch als gegeben, aus ein oder zwei geschossenen Pfeilen kann ich nichts ableiten. Aber was ich mir schon erlaube, ist die Verteilung auf einer Scheibe auf ein 3D Tier zu übertragen. Im ersten Schritt habe ich die Streuung auf die entsprechende Entfernung - das ist Schritt 1. Danach habe ich den Schätzfehler bei der Entfernung, der sollte bei schnelleren Pfeilen weniger gravierend sein (sollte! noch nicht getestet) das ist mein Schritt 2. Danach schaue ich mir das Verhalten bei Winkeln an, da kommen ja nun schon ohne Schätzfehler genug Faktoren rein. Bis hierhin kann ich sehr gut Feldscheiben etc nehmen, da das Schätzen noch egal ist.
Danach würde ich gerne unbeeinflusst zwei oder drei verschiedene Setups schießen und die Punktzahl vergleichen, aber da hört es dann mit "unbekannt" auf. Wenn ich es einmal geschossen habe ist es nicht mehr unbekannt... und genau hier kommt die Erfahrung anderer Schützen ins Spiel.
Ich fürchte, es ist ein ganz persönliches Ding. Wie sauber schieße ich unter Druck/Belastung etc. Mit welchem Setup kommen am Ende mehr Punkte raus? Wie reagiert das System/Setup auf kleine Fehler?

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Mybo Mykan 27/Uukha Omega - 41#@30''
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Offline Landbub

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Ich halte das ganze Thema ganz einfach. Nämlich getrennt in Physik und persönlichen Vorlieben oder Können:

Fakt: je genauer man die Entfernung schätzt, desto genauer kann man treffen. Die Toleranz ist gegeben durch die ballistische Kurve. Je flacher / gestreckter diese ist, desto mehr kann ich mich verschätzen bei gleicher Auswirkung in der Höhe. Das will ich haben. Der Extremwert ist ein Pfeil, der keine Kurve mehr fliegt, sondern "pfeilgerade" ins Ziel. Egal ob 5 oder 55m. Gibts nicht, klar. Aber das ist das anzustrebende.

Dagegen sprechen nun PERSÖNLICHE Vorlieben oder Form-Mängel, die dafür sorgen, dass mit einem leichtn Setup größere Gruppen, also mehr Streuung einhergehen. Selbstverständlich kann dies sämtliche Vorteile eines schnellen Setups wieder vernichten. Das kann man aber nicht pauschal sagen, da eben individuell.

Eine Ableitung daraus fürs Targetschießen, von der Jagd sprechen wir hier nicht, ist z.B.: Schießt ein Schütze mit einem 300gn Setup die gleichen Gruppen wie mit einem 250gn Setup, so sollte er das leichte Setup nehmen, um die Vorteile einer getreckten Flugparabel mitzunehmen.
Mit weiter reduziertem Pfeilgewicht werden Lösefehler im Trefferbild besser sichtbar, hier ist dann der individuelle Kompromiss zu finden.

Man sollte das schon mal probiert haben... Die ArcheryGirls habe die Tage in Video über den Bau sehr leichter Pfeile gemacht https://youtu.be/rWzaPIJVF88
Ich hab selber mal den Gungnier von DK ausprobiert und das ist schon der Hammer, wenn es schlicht (fast) egal ist, wie weit ein Ziel bis 30m weg steht. Hab noch keine Gruppierungstests gemacht - nur einen Pfeil auf meine Bogen passend gemacht... die sind elend teuer.
« Letzte Änderung: Januar 28, 2026, 12:56:19 Nachmittag von Landbub »
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Offline Gartenpinguin

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Je flacher die Flugbahn wird, desto >>genauer<< muss man sein Pfeil, mit welchem System auch immer, ins Ziel halten.
Eine flache Flugbahn ist keine laserpointerähnliche Garantie, dass der Pfeil perfekt ins Ziel fliegt - im Gegenteil. Es schleichen sich gar mehr Fehler ein, weil das Equipment die Arbeit übernimmt und man selbst nicht mehr denkt, arbeitet und sich verbessert. Anstatt sich selbst zu verbessern, wird das Equipment verbessert. Das ist der Kern von Faulheit.
Das heißt: Irgendwann ist der Pfeil so schnell und die Ballistik so flach, dass man die Pfeilspitze gar Millimeter-genau ins Ziel halten muss.
Richtig, das passiert über eine längere Strecke recht linear und konstanter, verzeiht aber keine Fehler.

Daher mal ein Anreiz in die andere Richtung:
Eine stärkere ballistische Kurve erlaubt es einem die Punkte zum zielen zu separieren - was mehr in ein System zum zielen passt.
Stellt Euch ein Compoundbogen mit Pins zum zielen vor. Eine extrem flache Flugbahn bedeutet, dass alle Pins nahezu aufeinanderliegen. Sich so fein auszurichten ist schwierig und lässt einen eher das Distanzen-Schätzen verlernen.
Wird der Pfeil schwerer und damit die Pfeilflugbahn ballistischer, so können die Pins zum zielen sichtlich separiert werden. Das macht das Arbeiten mit Zielsystemen einfacher. Also egal ob Gap-Shooting, String-Walking, Face-Walking, und was auch immer nicht-intuitiv genutzt wird - irgendwo "zielt" ihr ja. Wer gut darin ist Distanzen schätzen zu können oder mit Erfahrung die Distanzen erkennen kann, dem ist eine stärkere ballistische Kurve beim aktiven Zielen vielleicht eher von Vorteil.

Persönliche Meinung:
Bitte hört auf die Probleme des Schützens immer auf das Material abwälzen zu wollen. Das Problemlösen ist die ursprüngliche Neugier eines jeden Schützens um besser zu werden. Distanzen zu schätzen ist beim 3D-Schießen ein Problem und damit eine Grundlage die man erlernen muss. Sowas kann man intuitiv machen oder sich auch Systeme dafür ausdenken. Aber das Problem bleibt vorhanden und der Schütze selbst muss das Problem lösen (Der Bogen wird kaum für einen denken). Den Weg der Erfahrung kann man nicht mit Geld und Material aufwiegen - denn nichts anderes ist diese Diskussion um mehr Geschwindigkeit und eine flachere Flugbahn. Das wäre so, als würde man einen Porsche kaufen um ein besserer Autofahrer zu sein. Kann man machen, kompensiert aber die schlechten Fähigkeiten von einem selbst nicht. Wer aber bereits ein guter Autofahrer ist, kann aus dem Porsche sogar noch was rausholen.
Und Hand aufs Herz, die wenigsten von uns sind so fortgeschritten, mich eingeschlossen.

Daher lasse ich das mal da:
Demut ist eine Tugend die heut' zu Tage viel zu selten wertgeschätzt wird.
Demut vor sich selbst und seinen Fähigkeiten. Und die einhergehende Ohnmacht gegenüber Problemen, deren Gipfel man hinter den Wolken der Unvernunft nicht erkennen kann.