Zuerst muss ich das korrigieren:
Gegeben: Ziel auf 40m
Pfeil mit V=190 fps und m=300gn
Schütze schätzt 36m statt der 40 und greift auch so ab:
Der Pfeil trifft die Scheibe auf 40m 25cm zu tief. --> eine 2 auf 6:00
Schütze schätzt 44m statt der 40 und greift auch so ab:
Der Pfeil trifft die Scheibe auf 40m 26cm zu hoch. --> eine 2 auf 12:00
Jetzt mit V=225fps und m=300gn
Schütze schätzt 36m statt der 40 und greift auch so ab:
Der Pfeil trifft die Scheibe auf 40m 18cm zu tief --> eine drei (fast 4) auf 6:00
Schütze schätzt 44m statt der 40 und greift auch so ab:
Der Pfeil trifft die Scheibe auf 40m 20cm zu hoch. --> eine 3 auf 12:00
Wer jetzt daraus errechnen will, wieviel Ringe man sich auf dem ganzen Parcours damit erkaufen kann, muss berücksichtigen, dass bei Feldbogen 3 Pfeile und bei 3D 2 Pfeile geschossen werden, und ja nur der erste Pfeil "unbekannt" ist. Für den 2. oder 3. Pfeil kann man entsprechend korrigieren. Umso wichtiger ist es aber auch, dass der erste Pfeil auf dem Ziel steckt und nicht dahinter in der Botanik. Bei einem schlanken Reh auf den IFAA 40m schauts bei plusminus 25cm nicht so gut aus.
Die Konsequenz für Gelb (5&6) bei WA Feld:
Das Gelb der WA 80er Feldauflage hat einen Durchmesser von 16cm (8cm Durchmesser vom 6er Ring + oben und unten 4cm vom 5er Ring), also plusminus 8cm.
Um das Gelb mit einem 190 fps schnellen Pfeil zu treffen, muss ich die Entfernung ist=40m im Intervall von 38,8m bis 41,1m genau schätzen. habe also ein Schätzitervall von etwas gerundet von 2m
Gehen wir jetzt auf 225 fps:
38,3 bis 41,7m. Das Intervall ist also fast 3,5m gross. Das ist ca. 75% mehr.
Zu deinen Fragen:
Der Luftwiderstand wird eingerechnet (ja, quadratisch), allerdings auch mit der Unschärfe, hier nur die Stirnfläche zu berücksichtigen. Die chaotischen Verwirbelungen entlang des Schaftes, die für Reibung sorgen, bleiben unberücksichtigt, ich habe dafür noch kein Modell gefunden, welches diese in Abhängigkeit von V für mich nachvollziehbar berücksichtigt (Strömungsmechanik war nicht mein Lieblingsfach...). Da spielen dann Parameter wie "Glätte" eine Rolle, deren Werte nicht vorliegen. Zum einlesen: Aerodynamic properties of an arrow: Influence of point shape on the boundary layer transition (
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1877705811009970 ) und einige in diesem Dokument genannte Quellen.
Der Modell-Pfeil ist identisch. Nur V wurde verändert. Macht man den Pfeil leichter, ändert sich nicht wirklich viel (bei gleichem V). Ob der Pfeil also schneller wird wegen geringerem Gewicht oder stärkerem Bogen ist nicht enscheidend. Ein gleich schneller schwerer Pfeil gruppiert etwas HÖHER. Er bringt ja auch ein wenig mehr kinetische Energie mit. Hätte der Pfeil 400 anstatt 300gn, was ein großer Unterschied ist, wäre er knapp 4cm höher am 40m entfernten Ziel. bei 220gn statt 300 bei gleichem V wäre er gute 2cm tiefer.
"Meiner Ansicht nach verlieren sich die 6-9cm im der Streuung des Blankbogenschützen auf ~40m."
Das ist richtig, ist aber in diesem Kontext kein Argument, da diese Streuung ja beinahe identisch über das ganze Schätzintervall auftritt und deshalb sich zufällig addiert oder subtrahiert.