Archers Campfire
Kaufberatung / Testberichte => Bogenkauf, Beratung und Testberichte => Bogenvorstellungen => Thema gestartet von: Bärbow am März 27, 2026, 03:54:20 Nachmittag
-
Ich schieße den Sanlida Hero 2 und vor allem habe ich ihn getunt. Und der Bogen ist besser als viele denken, aber auch deutlich aufwendiger als viele erwarten.
Vorweg was er gut kann
Die Verarbeitung ist völlig in Ordnung, nichts klappert und nichts wirkt billig. Schießen kann man ihn auch im Auslieferungszustand, aber nur bedingt.
Das eigentliche Thema Camlean
Bei mir war das Camlean klar sichtbar und auch im Schussbild relevant. (Tear left)
Sanlida liefert kein durchdachtes Tuning System wie man es von Hoyt oder PSE kennt. Wenn man den Bogen sauber einstellen will, muss man selbst ran.
So habe ich es gelöst
Obere Cam
Ich habe die obere Cam über die vorhandenen Spacer nach rechts verschoben. Das ging gut, weil die ab Werk unterschiedliche Dicken hatten. Zusätzlich konnte ich über das Yoke noch fein nachjustieren, was oben ein klarer Vorteil ist.
Untere Cam
Unten gibt es kein Yoke, sondern nur das Powerkabel. (Hoyt Nachbau?)
Deshalb bleibt hier nur der Weg über die Achse.
Ich habe die untere Cam etwa 1 mm nach rechts gesetzt. Dafür habe ich die originalen Spacer mit zusätzlichen Präzisions Unterlegscheiben aus Edelstahl kombiniert. (1 originalspacer bliebt der andere würde ersetzt)
Die originalen Spacer hatten jeweils 1,98 mm pro Seite. Die Achse selbst lag bei etwa 4,74 mm Durchmesser und passt damit gut zu M5. (Mit gewollt minimal Spiel) Verwendet habe ich Präzisionsscheiben in 0,1 bis 0,5 mm Stärke. Die bekommt man im Modellbauhandel oder bei spezialisierten Shops für etwa 6 Euro pro Set.
Ein Punkt der dabei auffällt
Durch die vorgegebene Position der unteren Cam lässt sich das System nicht komplett perfekt ausrichten. Die Sehne steht dadurch nicht zu 100 Prozent gerade, sondern minimal schräg im System.
Das wirkt erst wie ein Fehler, ist in der Praxis aber unkritisch. Da das Camlean oben über das Yoke sauber ausgeglichen wird und unten entsprechend angepasst ist, ergibt sich im Schuss kein Camlean mehr.
Zusätzlich hat der Bogen keinen starren Kabelabweiser, sondern ein verstellbares Offset System. Darüber lässt sich der Verlauf der Kabel beeinflussen. Ich habe das genutzt, um über Torque Tuning den seitlichen Einfluss im System weiter zu reduzieren.
Den originalen Kabelgleiter habe ich außerdem gegen einen Saunders Kabelgleiter getauscht. Die Kabel laufen damit deutlich ruhiger durch das System, was sich spürbar im Schussverhalten bemerkbar macht. Der Bogen wirkt sauberer im Abschuss und gibt die Energie gleichmäßiger frei.
Ergebnis
Nach dem ganzen Aufwand war das Camlean weg. (Bullethole)
Der Bogen lief danach stabil, reproduzierbar und ließ sich sauber abstimmen. Ab diesem Punkt kann man wirklich sagen, dass er auf einem Niveau spielt, das man sonst eher von deutlich teureren Bögen kennt.
Der Punkt den viele unterschätzen
Der Hero 2 ist kein Bogen den man einfach auspackt und perfekt schießt.
Ohne Bogenpresse und ohne die Bereitschaft, Achsen zu lösen und am System zu arbeiten, wird man mit dem Bogen nicht glücklich.
Man bekommt ihn zwar irgendwie zum Schießen, aber nicht dahin wo er eigentlich hin kann.
Wichtig zur Reihenfolge
Zuerst Camlean über Cams und Yoke korrigieren
Danach erst Auflage, Centershot und Nockpunkt einstellen
Wenn man versucht das zu vermischen, baut man sich ein unsauberes Setup.
Fazit
Der Sanlida Hero 2 ist ein richtig guter Bogen für seinen Preis und kann nach sauberem Tuning mit deutlich teureren Modellen mithalten.
Er ist aber nichts für Leute die einfach nur schießen wollen. Wer bereit ist Zeit und Arbeit zu investieren, bekommt ein starkes Setup. Wer das nicht möchte, sollte eher zu einem System greifen das ab Werk sauber eingestellt ist.
-
Danke für deinen Bericht. Klingt schon recht nach Aufwand und vor allem viel nötigem Know How.
Hast du mit anderen Sanlida Compound Bögen auch schon Erfahrungen?